searcH tcB-25 Von seareq - DiveInside
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Das Online-Magazin vOn Taucher.neT<br />
Fortbildung<br />
Technisches Tauchen<br />
Rescue KuRs<br />
boot 2010<br />
Ausblick auf die Tauchermesse Nr.1<br />
Bali<br />
Meine Scheibenwelt<br />
Angefasst<br />
Search TCB-<strong>25</strong> von Seareq<br />
Ausgabe 01/2010
2<br />
Inhalt<br />
ediTorial<br />
liebe leser 3<br />
TiTelThema<br />
Technisches Tauchen – ein Wegweiser 4<br />
rescue – der wichtigste Tauchkurs? 10<br />
akTUell<br />
boot 2010 – ausblicke auf die Tauchermesse nr.1 13<br />
reise<br />
bali: meine balinesische scheibenweilt 18<br />
Venezuela: Viva la Variation! 23<br />
medizin Und biologie<br />
der hecht – herr des süßwassers! 32<br />
kinder- und Jugendtauchen 38<br />
Technik<br />
angefasst: Jacket search Tcb-<strong>25</strong> von <strong>seareq</strong> 41<br />
kolUmnen<br />
augenblicke: Umweltschutz? nein, danke! 42<br />
Vorschau / impressum 44<br />
das neue diveinside –<br />
noch umFangreicher,<br />
Frischer,<br />
authentischer!<br />
Unsere Themen der JanUaraUsgabe:<br />
InsIde<br />
Titelbild von Achim Schlöffel<br />
der herr des süssWassers!<br />
Wer steht an der spitze der nahrungskette in heimischen<br />
gewässern? Wer ist groß, selbstbewusst und<br />
lässt sich problemlos fotografieren? Ganz klar: Alles<br />
dreht sich hier um esox, den „süßwasserbarrakuda“!<br />
seite 32<br />
ViVa la VariaTion!<br />
Venezuela: mehr als 2.800 kilometer karibikküste,<br />
die schneebedeckten gipfel der anden, der dschungel<br />
am mächtigen orinoco... eines steht fest: für einen<br />
reinen Tauchurlaub ist das land viel zu schade.<br />
seite 23<br />
Was elTern fragen sollTen!<br />
Wenn eltern fragen, ob ihr kind tauchen darf, so gibt<br />
es darauf keine schnelle antwort fangen wir mit der<br />
häufigsten Frage an: Ist das Kind alt genug zum<br />
Tauchen?<br />
seite 38
3<br />
Editorial<br />
liebe leser!<br />
edItorIal<br />
Der fortgeschrittene Taucher muss sich manchmal wie ein ungeliebtes Stiefkind vorkommen: Kaum ein Bericht in den<br />
zahlreichen Tauchmedien hat explizit ihn als Zielgruppe im Blick. <strong>DiveInside</strong> dagegen hat schon bald traditionell eine<br />
etwas andere Ausrichtung. Hier finden sich regelmäßig Geschichten, bei denen gerade die den taucherischen Kinderschuhen<br />
entwachsenen Protagonisten im Mittelpunkt stehen – und widmet diesen mit der vorliegenden Ausgabe<br />
jetzt sogar ein Titelthema. Abseits vom „Specialtywahn“ stellen wir ihnen zwei sinnvolle Varianten vor, wie man sich<br />
taucherisch weiterentwickeln kann.<br />
Deutschlands wohl bester Höhlentaucher Ralph Wilhelm erklärt, welche Wege zum technischen Taucher führen: <strong>Von</strong><br />
Trimix und Gasblender über Wrack bis hin zur Höhle. Wilhelm erklärt nicht nur, welche Schritte sinnvoll sind, sondern<br />
auch, wie man den für sich besten Weg und Ausbilder findet – und dies vollkommen unabhängig von irgendwelchen<br />
Verbänden.<br />
Wem das etwas zu weit geht, ist bei Jan Langmaacks Report gut aufgehoben – ist der Rescue-Kurs eine Weiterbildung,<br />
die jeder erfahrene Sporttaucher absolviert haben sollte? Den geplanten Bericht „Fundamental-Kurs“ haben wir aus<br />
aktuellem Anlass verschoben. Es gibt mittlerweile mehrere Anbieter; wir werden uns auch diese ansehen und im Anschluss<br />
eine umfassende Übersicht geben.<br />
Alle Jahre wieder lockt die „boot“ Taucher aus aller Welt nach Düsseldorf. 2010 lohnt der Besuch gleich doppelt: Zum<br />
einen ist die Messe der Szenetreffpunkt schlechthin, der ideale Ort, um Bekanntschaften aufzufrischen und sich über<br />
die Neuheiten im Technik- und Reisebereich zu informieren. Zum anderen gibt es dieses Jahr für Fotografen auch ein<br />
neues Anlaufziel: Der gemeinsame Fotowettbewerb von Taucher.Net und der Zeitschrift „unterwasser“. Hier werden<br />
nicht nur die schönsten Rotmeerbilder prämiert, hier finden Besucher auch viele bekannte Fotografen, die ihre schönsten<br />
Bilder vorstellen und für Fragen der Besucher sicherlich ein offenes Ohr haben.<br />
Die Redaktion von <strong>DiveInside</strong> wünscht Ausstellern und Besuchern eine schöne Messe und wenn Sie schon mal vor<br />
Ort sind, schauen Sie doch auch mal bei uns herein: Die ganzen Messetage steht Ihnen unser Team für Fragen und<br />
Anregungen gerne zur Verfügung!<br />
Viel Spaß beim Lesen, euer Team von <strong>DiveInside</strong>!
Titelthema<br />
Wracks betauchen, die für den sporttaucher zu<br />
tief liegen. In Höhlen vordringen, die nur eine<br />
Handvoll Menschen gesehen haben: das technische<br />
tauchen hat Bereiche zugänglich gemacht,<br />
die bis vor wenigen Jahren noch unerreichbar<br />
schienen. doch dazu gehört mehr als nur ein<br />
schwarzer anzug oder ein doppelpack auf dem<br />
rücken. Was genau, erklärt ralph Wilhelm – einer<br />
der besten Höhlentaucher deutschlands.<br />
WegWeiser ins<br />
technische tauchen<br />
4 Bericht von Ralph Wilhelm
5<br />
Titelthema<br />
Ventilmanagement - die eigenen Ventile erreichen<br />
und bedienen zu können ist überlebenswichtig und<br />
kann im Kurs nicht oft genug geübt werden.<br />
Sporttaucher – und nun? Egal, ob man bereits<br />
tausende von Tauchgängen an allen Riffen der<br />
Welt gemacht hat, seit Jahren den Baggersee<br />
um die Ecke betaucht oder ob man die Sporttauchausbildung<br />
im Schnelldurchgang durchläuft,<br />
um möglichst bald ein Tek-Taucher zu<br />
werden: Wenn man in das technische Tauchen<br />
einsteigen will, sollte man sich vorher einige<br />
Gedanken über die richtige Ausbildung machen.<br />
Einerseits, um Geld zu sparen, da man durch<br />
falsche Kurswahl viel Geld in den Sand setzen<br />
kann und andererseits, um eine sichere und gute<br />
Ausbildung zu erhalten.<br />
disziplinen<br />
Technisches Tauchen ist eigentlich ein Oberbegriff<br />
für drei Teildisziplinen: Wracktauchen, Höhlentauchen<br />
und Mischgastauchen. Natürlich muss<br />
man sich nicht auf eine der Teildisziplinen festlegen,<br />
die meisten Tekkies haben jedoch einen<br />
Schwerpunkt. Zudem überschneiden sich die<br />
Disziplinen auch oft, da man zum Betauchen<br />
tiefer Wracks oder Höhlen natürlich auch Mischgase<br />
einsetzt. Der angehende Tek-Taucher hat in<br />
der Regel schon einen Favoriten unter den Teildisziplinen,<br />
den er erlernen und später ausüben<br />
möchte. Nun gilt es den dafür sinnvollsten Weg<br />
zu wählen.<br />
Mischgastauchen<br />
Ein sinnvoller Einstieg ins Mischgastauchen ist<br />
das Tauchen mit Nitrox, einem einfachen Mischgas<br />
aus Sauerstoff und Stickstoff. Selbst ein Nitrox-<br />
Kurs für reine Sporttaucher vermittelt bereits<br />
erstes Fachwissen, das man später als Tekkie<br />
gebrauchen kann. Der nächste Schritt ist ein<br />
erweiterter Nitrox-Kurs. Je nach Verband kann<br />
dieser Kurs (teilweise sind es auch zwei Kurse)<br />
verschiedene Namen haben, beispielsweise<br />
Advanced Nitrox – der Inhalt ist aber fast immer<br />
der gleiche. Man lernt mit der neuen Ausrüstung<br />
umzugehen, die für das technische Tauchen notwendig<br />
ist. Hauptsächlich ist dies das Doppelgerät<br />
(mindestens eine Doppel 10- oder besser eine<br />
Doppel 12-Flasche) sowie Zusatzflaschen, so<br />
genannte Stages. Dies sind Aluflaschen, die seit-<br />
lich am Taucher befestigt werden und Dekogase<br />
beinhalten. Flaschenhandling und Gaswechsel<br />
werden hier bis zur Verzweifelung des Schülers<br />
trainiert. Aber auch verschiedene Aufstiegstechniken,<br />
Notfallübungen und Stressmanagement<br />
werden intensiv geübt. In der Theorie tut sich für<br />
den Schüler eine vollkommen neue Welt auf.<br />
Der Dekompression, von vielen Sporttaucherausbildungsorganisationen<br />
verteufelt, wird der Schre-<br />
cken genommen. Am Ende des Kurses sollte der<br />
Taucher unter anderem seine Dekompression<br />
nach einer längeren Grundzeit berechnen und<br />
diese sicher und durch die Verwendung von sauerstoffangereicherten<br />
Dekompressionsgasen<br />
auch beschleunigt absolvieren können. Zusammenfassend<br />
kann man sagen, der Taucher taucht<br />
nicht tiefer als bisher, er lernt aber, wie er deutlich<br />
länger auf Tiefe bleiben kann und die dadurch<br />
auftretende Dekompression sicher bewältigt.
6<br />
Titelthema<br />
Gerade am Wrack können viele Gefahren lauern, manche davon sind explosiv.<br />
Beherrscht man die neue Ausrüstung perfekt und<br />
hat nach dem Kurs genügend eigene praktische<br />
Erfahrung gesammelt, kann man sich an den<br />
darauf folgenden Trimixkurs wagen. Dieser beinhaltet<br />
unter anderem erweitertes Wissen über<br />
Dekompression und kompliziertere Tauchgangsplanung<br />
sowie die Verwendung von so genannten<br />
hypoxischen Gasen. Dies sind Gasmischungen<br />
für große Tiefen, die teilweise so wenig Sauerstoff<br />
beinhalten, dass man sie in flachen Gewässern<br />
oder an der Oberfläche nicht atmen kann. Angemerkt<br />
werden muss, dass Tauchgänge auf Tiefen<br />
von bis zu hundert Meter und mehr auch eine<br />
psychologische Belastung sein können. Man sollte<br />
sich im Rahmen des Kurses langsam an die Tiefe<br />
herantasten und diese von Tauchgang zu Tauchgang<br />
steigern. Es ist keine Schande, hier den<br />
Daumen zu heben und den Tauchgang flacher<br />
als geplant zu beenden. Im Gegenteil: Kritische<br />
Selbstreflexion ist eine Eigenschaft, die einen<br />
guten Tek-Taucher auszeichnet. Während im<br />
Sporttauchen mit dem Slogan geworben wird,<br />
dass jeder tauchen kann, so gilt dies für das technische<br />
Tauchen auf keinen Fall. Neben körperlicher<br />
Fitness und Ausdauer gehört ein stabiles, belastbares<br />
Nervenkostüm dazu. Es ist auf Dauer daher<br />
gesünder, sich selbst einzugestehen, dass gewisse<br />
Tauchgänge oder Tauchtiefen nichts für einen<br />
sind, bevor es zu einem tragischen Unglück<br />
kommt.<br />
Gewarnt werden muss an dieser Stelle vor Kursen,<br />
bei denen einem versprochen wird, man könne<br />
sich innerhalb einer Woche vom Sport- zum Trimixtaucher<br />
entwickeln. Oder vor Trimix-Kursen,<br />
die in Seen stattfinden, welche nicht einmal 60m<br />
tief sind. Oder vor Kursen, in denen mit Luft tiefer<br />
getaucht wird als 40 Meter. Das alles ist so unseriös<br />
wie gefährlich und bringt nur Taucher hervor,<br />
die sehr schnell ein tragischer Fall in der Unfallstatistik<br />
werden.<br />
Wer nicht auf Tiefen jenseits der 50m zielt, aber<br />
dennoch gerne länger jenseits der 30m-Marke<br />
taucht, für den bieten machen Organisationen<br />
einen so genannten Normoxic Trimix-Kurs an.<br />
Dieses Gasgemisch kann nach der Ausbildung in<br />
ähnlichen Grenzen wie Luft getaucht werden,<br />
bringt aber durch den Heliumanteil den Vorteil,<br />
dass praktisch kein Tiefenrausch auftritt.<br />
Wracktauchen<br />
Technisches Wracktauchen unterscheidet sich<br />
deutlich vom unter Sporttauchern gern betriebenen<br />
Wracktauchen in Urlaubsrevieren. Wenn<br />
in strömungsreichen Gewässern tief, weit und<br />
lang in das Wrack eingedrungen wird, um sich<br />
danach während der Deko mit der Strömung vom<br />
Wrack wegtreiben zu lassen, weil diese so stark<br />
ist, das man sich am Ankerseil nicht festhalten<br />
kann, und dies alles bei Sichtweiten von fünf<br />
Metern und weniger, so bedarf dies einer entsprechenden<br />
Ausbildung und Ausrüstung. So<br />
kommt bei den Wrackkursen, die auch oft in zwei<br />
Stufen aufgeteilt sind, nicht nur ein erheblicher<br />
Anteil an Seemannschaft auf den Taucher zu,<br />
sondern auch spezielle Dekotechniken.<br />
Das Eindringen in Wracks, die sich im Gegensatz<br />
zu Höhlen in kürzerer Zeit verändern können,<br />
bildet den zentralen Schwerpunkt des Kurses.<br />
Auch die Tatsache, dass Ein- und Ausgang nicht<br />
immer identisch sind, erfordert bestimmte Fähigkeiten<br />
und Kenntnisse. Abschließend sollte in<br />
einem Kurs auch die Wracksuche, begonnen in
7<br />
Titelthema<br />
Archiven bis hin zur aktiven Suche auf See, sowie<br />
die Dokumentation des gefundenen Wracks<br />
behandelt werden. Das praktische Bergen von<br />
Gegenständen aus einem Wrack sollte ebenso<br />
unterrichtet werden wie die rechtlichen Rahmenbedingungen<br />
für diese Tätigkeit. Im Kurs sollten<br />
nicht nur verschiedene Wracks betaucht werden,<br />
sondern auch unterschiedliche Tauchbedingungen<br />
herrschen. Dekompression bei starker Strömung<br />
kann eben nur bei starker Strömung erlernt<br />
werden. Wer einen Komplettkurs in den strömungsarmen<br />
Gewässern der Ostsee gebucht hat,<br />
bekommt in diesem Punkt keine vollwertige Ausbildung.<br />
Höhlentauchen<br />
Höhlentauchen ist zweifelsohne die Königsdisziplin<br />
des technischen Tauchens, da hier alle Schwierigkeiten<br />
der einzelnen Teilgebiete zusammenkommen.<br />
Man ist teilweise Kilometer von Licht<br />
und Luft entfernt, befindet sich in Tiefen, die Trimix<br />
erfordern und der Gangverlauf der Höhle erlaubt<br />
es einem nicht, eine ideale Dekokurve auszutauchen,<br />
sondern zwingt einen, ihrem Profil zu folgen<br />
– und das ist teilweise ein absolut übles Jo-Jo-<br />
Profil. Strömung und schlechte Sicht kommen oft<br />
noch dazu und erschweren das Vorwärtskommen<br />
des mit vier oder mehr Stages behängten Tauchers<br />
hinter seinem Scooter.<br />
Allerdings ist der Einstieg ins Höhlentauchen<br />
leicht. Unterrichtet wird in der Regel auch hier in<br />
zwei Stufen, meist als Cave 1 und Cave 2 bezeichnet.<br />
Der Cave 1-Kurs unterrichtet die ersten Gehversuche<br />
in der Höhle bei guten Bedingungen.<br />
Taucherisch sollte man über eine stabile horizontale<br />
Wasserlage verfügen und in der Lage sein,<br />
alle seine Ventile selbst zu bedienen. Der Kurs<br />
wird oft auch als Überlebensausbildung bezeichnet,<br />
da das Tauchen durch eine Höhle technisch<br />
kaum schwieriger ist als das Tauchen an einem<br />
Riff entlang. Da es aber selbst nur 40 Meter in der<br />
Höhle drin mehrere Minuten dauert, bis man Licht<br />
und Luft erreicht, müssen alle Probleme sofort<br />
In einer Höhle gibt es keinen Platz für schlechte<br />
ausbildung.<br />
vor Ort gelöst werden können. Daher liegt der<br />
absolute Schwerpunkt des Kurses auf Notfallübungen,<br />
wie beispielsweise dem Tauchen an<br />
der Führungsleine entlang, um auch bei Nullsicht<br />
lebend aus der Höhle zu kommen. Lampenausfall,<br />
Gasverlust, Maskenverlust – die richtige und<br />
schnelle Reaktion auf diese Probleme sind Kernkompetenzen,<br />
die es zu erlernen gilt. Wenn man<br />
in der Höhle die Lampen ausschaltet, ist es noch<br />
viel dunkler als im berühmten Bärenarsch. Dadurch<br />
wird Sichtverlust durch aufgewirbeltes Sediment<br />
simuliert. Nun gilt es, sich an der Führungsleine<br />
entlang über Befestigungspunkte und Kreuzungen<br />
hinweg den richtigen Weg an die rettende<br />
Oberfläche zu ertasten. Wenn man dabei noch<br />
den Automat des Hintermannes, der sich mit der<br />
einen Hand am Vordermann und mit der anderen
8<br />
Titelthema<br />
atemgase richtig zu mischen will gelernt sein. Fehler können schnell dramatische Folgen haben.<br />
Hand an der Leine festhält, im Mund hat, weil<br />
man kein eigenes Gas mehr hat, dann muss diese<br />
Übung schon perfekt sitzen, wenn man im Ernstfall<br />
überleben will.<br />
Nachdem man im Cave 1 die Grundlagen des<br />
sicheren Höhlentauchens erlernt hat, sollte man<br />
zunächst eigene Erfahrung sammeln. Hat man<br />
mindestens 50 Höhlentauchgänge innerhalb der<br />
Beschränkungen des Cave 1-Brevets absolviert,<br />
so kann man sich an den Cave 2-Kurs heranwagen.<br />
Vorher macht dies genau so wenig Sinn wie ein<br />
Schleuderkurs direkt nach Führerscheinerwerb.<br />
Was auch keinen Sinn macht, ist, die komplette<br />
Ausbildung in einem gefluteten Bergwerk zu<br />
machen. Zwar erspart einem das die Fahrt nach<br />
Frankreich (wo sich die besten Höhlen für eine<br />
ordentliche Ausbildung befinden), aber Bergwerke<br />
sind nun mal keine Höhlen und somit nur ein<br />
schlechter Ersatz für das echte Höhlentauchen.<br />
Gewarnt werden muss vor Ausbildungsorganisationen,<br />
die Cave 1 und 2 im Schnelldurchlauf<br />
anbieten, da es hier nur um Gewinnmaximierung<br />
und nicht um eine solide Ausbildung geht. Noch<br />
schlimmer sind Verbände, die unter normalen<br />
Tauchbedingungen in der Höhle die 1/3-Regel<br />
bei der Gasplanung unterrichten. Diese Regel ist<br />
im Ernstfall absolut tödlich. Solche Instruktoren<br />
haben keinen Bezug zum Thema Sicherheit und<br />
man kann deren Ausbildung nur als lebensgefährlich<br />
bezeichnen.<br />
Hilfskurse<br />
Neben den genannten drei Teilgebieten gibt es<br />
noch weitere Kurse, die als sinnvolle Ergänzung<br />
angesehen werden. Da wäre zunächst der Gas-<br />
09_1297_tauchernet_210x297_image.qxd 24.11.2009 13:12 Uhr Seite 1<br />
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9<br />
Titelthema<br />
blender. In diesem Kurs lernt man, sich die benötigten<br />
Atemgase für tiefe Tauchgänge sowie die<br />
Dekogase selbst zu mischen. Falsch oder schlecht<br />
gemischte Atemgase sind ganz schnell tödlich,<br />
darüber hinaus besteht beim Umgang mit reinem<br />
Sauerstoff Explosionsgefahr. Das Selbstmischen<br />
der Gase ist in der Regel deutlich preiswerter als<br />
der Bezug fertiger Gasgemische aus dem Tauchladen.<br />
Somit ist dieser Kurs nach der Nitrox- bzw.<br />
spätestens nach der Trimixausbildung sehr sinnvoll.<br />
Ein Kurs dauert zwischen einem und anderthalb<br />
Tagen und beinhaltet das Mischen von Nitrox<br />
und Trimix. Die von einigen Ausbildungsorganisationen<br />
vorgenommene Aufteilung in einen<br />
Gasblenderkurs Nitrox und einen Gasblenderkurs<br />
Trimix ist nicht sinnvoll und dient nur der Gewinnmaximierung<br />
des Ausbilders.<br />
Die zweite Ergänzung ist ein Rebreatherkurs.<br />
Allerdings ist dieser Kurs erst sinnvoll, wenn man<br />
zuvor bereits an die Grenzen des Tauchens mit<br />
dem offenen System gestoßen ist. Und die liegen<br />
jenseits von Doppel 18 und sechs Stages. Vorher<br />
ist ein Rebreather nicht notwendig, sondern sogar<br />
gefährlich. Rebreathertauchen aus Spaß an der<br />
Freude wird von den führenden Köpfen im technischen<br />
Tauchen teilweise sogar abgelehnt, da<br />
es gegenüber dem offenen System ein erheblich<br />
ÜBer den aUtor<br />
Ralph Wilhelm, Jahrgang 1967, ist seit 1989 im Sporttauchen<br />
aktiv, seit 1993 als TL 1 und seit 1996 als TL 2. 1994 begann er<br />
sich für das technische Tauchen zu interessieren und absolvierte<br />
im Juni 1995 seinen ersten Höhlentauchgang. Zwangsläufig<br />
setzte er sich in der Folgezeit intensiv mit den Gebieten Mischgas-,<br />
Tief- und Rebreathertauchen auseinander. Als Journalist,<br />
Unterwasserfotograph sowie als aktiver Taucher nahm er an<br />
diversen internationalen Tauchexpeditionen teil und kann auf<br />
über 50 Veröffentlichungen in der Fachpresse sowie diverse<br />
Vorträge, unter anderem auf der G-Tech verweisen. Er hat mehr<br />
als 200 Trimixtauchgänge auf Tiefen jenseits der 60m und gilt<br />
mit seinen über 600 Höhlentauchgängen als der erfahrenste<br />
deutsche Höhlenausbilder. Als Full-Cave Instruktor und Instructor-Trainer<br />
bildet er heute im technischen Tauchen für PATD aus,<br />
als Mitglied der EKPP ist er im Rahmen der Höhlentauchprojekte<br />
dieser Gruppe tätig.<br />
höheres Unfallrisiko aufweist, welches den Spaß<br />
nicht wert ist.<br />
Ausbildungsorganisationen<br />
Ausbildungsorganisationen gibt es wie Sand am<br />
Meer. Leider taugen nur die allerwenigsten davon<br />
etwas. Vor allem viele Sporttauchverbände, die<br />
das Tek-Tauchen früher rigoros abgelehnt haben,<br />
bilden, von einbrechenden Schülerzahlen im<br />
Sporttauchbereich getrieben, heute Tek-Taucher<br />
aus. Die meisten der Ausbilder weisen zwar beeindruckende<br />
vier- oder fünfstellige Tauchgangszahlen<br />
auf, wenn man aber einmal nachfragt, wie<br />
viele echte Tek-Tauchgänge darunter sind,<br />
schrumpft die Zahl schnell auf ein- bis zweistellige<br />
Werte.<br />
Aber auch bei den Tek-Verbänden gibt es viele<br />
schwarze Schafe, die mit unzureichender Ausbildung<br />
das schnelle Geld verdienen wollen. Da<br />
schreibt sich mancher Trimix-Ausbilder beachtliche<br />
1000 Mischgastauchgänge auf die Homepage,<br />
dummerweise sind 980 davon Nitroxtauchgänge<br />
auf maximal 30 Meter auf den Malediven.<br />
Bevor man sich also für einen Tauchlehrer entscheidet,<br />
sollte man einmal schauen, was dieser<br />
wirklich selbst taucht. So war von den in Deutschland<br />
ansässigen Höhlentauchlehrern nur ein<br />
einziger in Europas meist betauchter Höhle, der<br />
„Émergence de Ressel“ in Südfrankreich, jenseits<br />
der Zwei-Kilometer-Marke, obwohl dies eigentlich<br />
nur ein Tauchgang von drei Stunden Länge ist<br />
– für einen erfahrenen Tek-Taucher also keine<br />
wirklich große Herausforderung.<br />
Leider sieht es im Mischgas- und Wracktauchen<br />
nicht besser aus. Da wird aus einem gemütlichen<br />
Trimixtauchgang an ein tausendfach betauchtes<br />
Wrack plötzlich eine Expedition, um mehr Erfahrung<br />
vorspielen zu können. Da werden Kandidaten<br />
mit weit weniger als 100 Tauchgängen in der<br />
entsprechenden Disziplin per Handauflegen und<br />
ohne wirkliche Prüfung zum Instructor erklärt<br />
und dürfen ausbilden. Da auf diese Weise Einnahmen<br />
aus Prüfungsgebühren und Schülerzertifikationen<br />
generiert werden, nimmt man es mit<br />
der Sicherheit der Tauchschüler nicht so genau.<br />
Man möge sich als vergleichendes Beispiel einfach<br />
mal überlegen, ob man es für sicher und sinnvoll<br />
hält, wenn ein Sporttauchlehrer mit insgesamt<br />
100 eigenen Tauchgängen Tauchanfänger ausbildet.<br />
Darüber hinaus sollte man sich Gedanken<br />
machen, ob man sein Leben einem Tauchlehrer<br />
anvertraut, der vom eigenen Wissen her kaum<br />
über dem Niveau der Schüler steht.<br />
Zusammenfassung<br />
Gute Ausbildung dauert ihre Zeit und kostet Geld.<br />
Schnellkurse und Billigangebote bringen nur<br />
gefährlich schlecht ausgebildete Taucher hervor.<br />
Und da in allen Gebieten des technischen Tauchens<br />
nicht unerhebliche Gefahren lauern, sollte<br />
sich jeder Einsteiger fragen, was ihm sein Leben<br />
wert ist. Man sollte sich vorher intensiv mit dem<br />
wirklichen Können seines Ausbilders auseinandersetzen<br />
und auch die Lehrinhalte des Kurses<br />
auf Umfang und Sicherheit hin überprüfen.<br />
rW<br />
Palau<br />
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der Umgang mit der umfangreichen ausrüstung beim<br />
Mischgastauchen kann nur von tauchlehrern gelernt<br />
werden, die diese selbst perfekt beherrschen.<br />
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Bilder von Ralph Wilhelm
10<br />
Titelthema<br />
Rescue Jeder<br />
der WIcHtIGste taUcHKUrs?<br />
taucher kennt die<br />
Fülle an ausbildungen,<br />
mit denen die zahlreichentauchorganisationen<br />
werben. ein Kurs,<br />
den fast alle organisationen<br />
als einen der wichtigsten<br />
für die sicherheit<br />
der taucher bewerben, ist<br />
der „rescue„ oder „tauchsicherheit-<br />
und rettungs-<br />
Kurs“. Verhilft diese ausbildung<br />
anschließend<br />
wirklich zum sicheren<br />
tauchen und was sollte<br />
sie beinhalten, damit dieses<br />
Ziel erreichbar<br />
scheint?<br />
Bericht von Jan Langmaack
11<br />
Titelthema<br />
Gute apnoefähigkeiten helfen<br />
bei ooa situationen.<br />
Gefahren durch Meerestiere können zur Panik führen.<br />
Stress und Panik unter Wasser sind Situationen,<br />
die jeden Tauchgang zu einem nachhaltig schlimmen<br />
Erlebnis werden lassen und die Basis eines<br />
Tauchunfalls bilden können. Aber auch die<br />
Gedanken, irgendwann einmal in eine derartige<br />
Situation zu kommen, lassen viele Taucher spüren,<br />
dass der mittlerweile zur Freizeitaktivität<br />
avancierte Tauchsport durchaus gefährliche<br />
Situationen für den Menschen beinhalten kann.<br />
Zumindest, wenn der Umgang mit solchen Situationen<br />
nicht ausreichend vorher geübt und<br />
entsprechende Kenntnisse erworben wurden.<br />
In der Anfängerausbildung sind zwar einige<br />
Grundelemente zur Rettung von Tauchern und<br />
die Vorkehrungen von Tauchunfällen enthalten,<br />
jedoch werden diese meist nur am Rande angeführt.<br />
Um diesen beiläufig erlernten Rettungsfähigkeiten<br />
mehr Beachtung und Tiefe zu verschaffen,<br />
wurden von allen Organisationen<br />
Rescue-Kurse entwickelt, deren Inhalte im weitestgehend<br />
ähnlich sind.<br />
Rescue Kurse sind nicht als Folgekurs für den<br />
OWD/CMAS* zu empfehlen, denn die Kursinteressierten<br />
sollten im Umgang mit ihrer Tauchausrüstung<br />
vertraut sein, um den Schwerpunk-<br />
ten des Kurses mehr Aufmerksamkeit schenken<br />
zu können, ohne dabei zu stark auf sich selbst<br />
fixiert zu sein. Eine eigene Ausrüstung ist hierbei<br />
von Vorteil, jedoch nicht unbedingt zwingend<br />
erforderlich.<br />
Der theoretische Teil der Rescue-Ausbildung<br />
beinhaltet nicht nur das Erkennen von Stress und<br />
Panik sowie den Umgang mit derartigen Situationen<br />
vor, während und nach einem Tauchgang,<br />
sondern zusätzlich die Auffrischung und Vertiefung<br />
der medizinischen und physikalischen Besonderheiten<br />
beim Tauchen, die zu Tauchunfällen<br />
führen können. Ebenso sind die Gefährdungen<br />
durch Tauchgebiete und Meerestiere Bestandteil<br />
der Ausbildungen. Eine Einweisung in die Garantenstellung<br />
hinsichtlich des § 323c und den<br />
Unterschied zu anderen Ländern (z.B. Türkei)<br />
sollte ebenfalls Bestandteil sein, um auch im<br />
Urlaubsland über die Wichtigkeit von Hilfeleistung<br />
und Unterlassung informiert zu sein. Eine fundierte<br />
theoretische Ausbildung zeichnet sich<br />
zusätzlich dadurch aus, dass auf die Besonderheiten<br />
des Essoufflement und dem „Rechts-Links<br />
Shunt“ sowie dessen Folgen zum Beispiel beim<br />
Tragen schwerer Ausrüstung nach langen Tauchgängen<br />
eingegangen wird. Dieses ist von besonderer<br />
Bedeutung, denn Rescue-Kurse sollen nicht<br />
Zwei Welten<br />
Eine Kamera<br />
Die DC1000 mit 10 MP<br />
Entdecken Sie mehr auf<br />
sub.de /sealife<br />
Sealife_Anzeige_2009_UW.indd 1 08.07.09 13
12<br />
Titelthema<br />
nur die Techniken zur Rettung von Tauchern vermitteln,<br />
sondern ebenso präventiv sein.<br />
Die Wichtigkeit der Wartung und Pflege der<br />
Ausrüstung und die Konfiguration sollte ebenfalls<br />
Bestandteil der Ausbildung sein. Hierbei<br />
sollte schon bei der theoretischen Ausbildung<br />
eine fundierte und zeitintensive Schulung, auf<br />
die Zielgruppe angepasst, im Fokus stehen. Somit<br />
kann der Tauchlehrer gezielt die Ausrüstung des<br />
Schülers mit ihm durchgehen und anhand dieser<br />
mögliche Veränderungsvorschläge durchsprechen.<br />
Die individuelle Betreuung gewinnt<br />
bei der praktischen Ausbildung noch mehr<br />
Bedeutung, um effektive Lernerfolge zu erzielen.<br />
Die erworbenen theoretischen Kenntnisse müssen<br />
methodisch aufbereitet und praktisch umgesetzt<br />
werden. Dazu sollte der Umgang von mindestens<br />
zwei unterschiedlichen Sauerstoffnotfallsystemen,<br />
die richtigen Durchführung der<br />
HLW (Herz-Lungen-Wiederbelebung) und die<br />
Zusammensetzung von Notfallkoffern für Taucher,<br />
Transport-, Berge- und Rettungstechniken<br />
unter Wasser, an der Wasseroberfläche sowie an<br />
Land und auf einem Boot geübt werden. Ebenso,<br />
wie das korrekte Absichern der Unfallstelle mit<br />
Auslösen der Rettungskette sowie das anschließende<br />
Ausfüllen eines Tauchunfallprotokolls zu<br />
den Kursinhalten zählen sollte. Ferner muss den<br />
Schülern genügend Zeit zur Verfügung gestellt<br />
werden, damit bei allen Kursteilnehmern ein<br />
Automatismus der Abläufe verzeichnet wird, um<br />
diese auch in späteren Stresssituationen abrufen<br />
zu können. Somit macht auch während der Aus-<br />
Hilfreiche Begleiter: Pocket Mask und ambu Beutel.<br />
bildung der Rescue-Kurse eine Nachstellung<br />
einer realistischen Situation, um den Kursteilnehmer<br />
an seine körperlichen Grenzen zu bringen,<br />
nur dann Sinn, wenn der Automatismus<br />
gegriffen hat.<br />
indiVidUaliTäT Und Training<br />
Ein klares Indiz für eine individuelle Betreuung<br />
lässt sich meist schon im Vorfeld anhand der<br />
Gruppengröße feststellen. Dabei sollte die Teilnehmerzahl<br />
nicht mehr als vier Personen umfassen<br />
und es sollte bei den Übungen sichergestellt<br />
sein, dass die Handgriffe kontrolliert werden,<br />
um mögliche Fehler in der Ausübung der erlernten<br />
Techniken anzusprechen und zu verbessern.<br />
Deshalb unbedingt vorher nach der Gruppen-<br />
größe fragen – dies ist besser, als sich später<br />
über eine „Massenabfertigung“ zu ärgern.<br />
Doch welche Erfolge hat dieser Kurs für späteres<br />
sicheres Tauchen? Generell und wie bei<br />
jedem Tauchkurs sagt dieser nur teilweise etwas<br />
über die anschließend gewonnenen Fertigkeiten<br />
eines Tauchers aus. So ist es auch beim<br />
Rescue-Kurs. Ein Sicherheitsgewinn für alle<br />
Tauchgänge kann nur dann durch das Absolvieren<br />
eines Rescue Kurses erzielt werden, wenn<br />
die erworbenen Kenntnisse anschließend regelmäßig<br />
einem weiterführenden Training unterzogen<br />
werden. Vergleichbar ist dies mit den<br />
HLW-Kursen, die durch die geforderte Regelmäßigkeit<br />
zu einer verstärkten Ausübung in<br />
Notfallsituationen führen sollen. Das absolvieren<br />
eines Rescue-Kurses in regelmäßigen<br />
sicheres tauchen am oktopus will gelernt sein.<br />
Abständen ist jedoch bei einem intensiven und<br />
gewissenhaftem Training mit seinem Buddy<br />
oder anderen Tauchpartnern nicht erforderlich.<br />
Hier steht die Eigenverantwortung stark im<br />
Fokus. Wer sich einen sicheren Tauchpartner<br />
wünscht, der einen im Notfall gut versorgen<br />
kann, sollte selbiges aufbringen, um für seinen<br />
Tauchpartner ebenfalls diese Person zu sein.<br />
Nur unter Berücksichtigung dieses Punktes kann<br />
auch über viele Jahre der Rescue Kurs nachhaltig<br />
das Tauchen sicherer machen und würde<br />
sich als eine der besten Investitionen für einen<br />
Spezialkurs der großen Spezialkurspalette der<br />
Tauchorganisationen herausstellen. Eine Verknüpfung<br />
des Rescue Kurses mit Spezialkursen<br />
im Bereich Sauerstoffversorgung (O2-Anwender)<br />
und AED (Automatisierter Externer Defibrillator)<br />
ist empfehlenswert – gerade für erfahrene Taucher,<br />
die oftmals autonom unterwegs sind. Jl<br />
Bilder von Jan Langmaack
13<br />
boot 2010<br />
boot 2010<br />
aUsBlIcKe aUF<br />
deUtscHlands<br />
taUcHerMesse nr. 1<br />
Bericht von Michael Böhm
14<br />
boot 2010<br />
Ganz klar: die Halle 3 des düsseldorfer Messegeländes ist nur eine Halle von 17. doch mittlerweile<br />
hat sich, allen Vertreibungsversuchen zum trotz, gerade diese Halle zum lourdes der tauchpilger<br />
entwickelt. Und gerade eines darf auf der „boot 2010“ nicht übersehen werden: die Position des<br />
tauchsports ist sichtbar nach vorne gerückt, nicht nur auf der Website der Messe. dort steht die<br />
themenwelt „Faszination tauchen“ mittlerweile an dritter stelle hinter Yacht-charter und angelsport.<br />
die themenwelt für taucher nennt sich „Faszination tauchen – einfach abtauchen im tauchturm“.<br />
In der „diving show“ dürfen Besucher diese aufforderung wörtlich nehmen. Was auch sicher ist:<br />
aus eins mach zwei. der tauchturm nahe der showbühne der Halle 3 hat sich vermutlich einsam<br />
gefühlt, denn in diesem Jahr lädt erstmals ein zweites tauchbecken zum schnuppertauchen ein.<br />
gähnfakTor 2009:<br />
das Jahr der krise<br />
Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den Medien<br />
nicht das Jahr der Krise ausgerufen wird. Ob<br />
Print, TV oder Rundfunk – je mehr das Jahresende<br />
nahte, desto mehr entwickelte sich eben diese<br />
Krise staccato-gleich zu einem nervenzersetzende<br />
Unwort. Wäre das Wort des Jahres erst an<br />
Silvester gekürt worden, so wäre „Weltwirtschaftkrise“<br />
im letzten Moment sicherlich an der<br />
„Abwrackprämie“ vorbeigezogen. Zugegeben,<br />
auch <strong>DiveInside</strong> und das Team von Taucher.Net<br />
waren daran beteiligt, denn die Prognosen zu<br />
Beginn der letztjährigen Messe waren denkbar<br />
schlecht. Nun ist 2009 Geschichte und die Tauchbranche<br />
lebt nach wie vor, von Gesundschrumpfung<br />
kaum eine Spur und vom<br />
Massensterben ist man weit entfernt. Deutlichstes<br />
Zeichen dafür ist die bevorstehende Messe.<br />
Oder ist es doch nur ein letztes Aufbäumen?<br />
Egal, die Halle 3 ist komplett ausverkauft, kein<br />
Quadratmeter ist noch verfügbar. Selbst als kurz<br />
vor Jahresende das Touristboard der Philippinen<br />
- ein langjähriger Aussteller, der sich stets bunt<br />
und prachtvoll der Taucherwelt präsentierte -<br />
einen Rückzieher machte, dauerte es nicht lange<br />
und auch diese freigewordene Fläche war nochmals<br />
verkauft. Ob dies für die Philippinen der<br />
große Sparfaktor ist? Die Standgebühren sind<br />
trotz Rückzug fällig. Doch bei weltweiten Außenständen<br />
im siebenstelligen Bereich spielt die<br />
Abkehr von der deutschen Tauchszene sicherlich<br />
keine große Rolle.<br />
die aUssTeller sind VorbereiTeT<br />
– es lohnT sich<br />
für den messebesUcher<br />
Im Vorfeld einer Messe wachen sie<br />
auf: Die Schnäppchenjäger, mit<br />
Fragen zu Sinn und Unsinn eines<br />
Messebesuchs in diversen Webforen,<br />
gefolgt von guten Tipps und<br />
Bei manchen kriselt es doch: War<br />
das touristboard der Philippinen<br />
2009 noch farbenfroh vertreten,<br />
verteilte leckere cocktails, Prospekte<br />
und bunte Hüte an seine Gäste,<br />
so ist 2010 schluss mit WoW.<br />
das Gewicht der Medien darf<br />
auch auf der „boot 2010“ nicht<br />
unterschätzt werden - die<br />
tauchmedien sind ebenfalls<br />
wieder alle vertreten.<br />
„Vergiss es-Dogmen“. Doch<br />
e s s i n d n i c ht n u r d e r<br />
Schnorrer, die Kugelschreibersammlerin<br />
und das<br />
Freibiergesicht, die die<br />
Klientel der Messebesucher bilden.<br />
Messe macht Spaß, die „Taucher-boot“<br />
ganz besonders, denn Fakt ist: In der<br />
Halle 3 ist vertreten, was in der Tauchszene<br />
Rang und Namen hat. Es gibt<br />
dort definitiv die neuesten Produkte<br />
zu sehen und die Reiseveranstalter<br />
haben ihre Hausaufgaben gemacht,<br />
locken mit preisgünstigen Angeboten.<br />
Die Aussteller sind, abgesehen von den<br />
ewigen, nie aussterben wollenden<br />
Ramschregalbuden, bemüht, sich im<br />
besten Licht zu präsentieren. Die einen<br />
nennen es PR, die anderen Wertschätzung<br />
gegenüber Gästen und Kunden.<br />
Und an fast jedem Stand wird speziell<br />
zur Messe etwas Besonderes geboten.<br />
Wir erinnern uns: Subgear hieß früher Seemann<br />
und wartet am Stand E05 mit zahlreichen Aktionen<br />
und Events auf, die ersten Produkte mit<br />
dem neuen SUBGEAR-Logo sind ausgestellt.<br />
Highlights sind, so Marketing Managerin Tina<br />
Kopseel, die neuen Atemregler, Computer und<br />
Anzüge. Sowohl am 23. als auch am 24. Januar<br />
steht Björn Harms, Geschäftsführer von SeaLife-<br />
Cameras allen Foto-Interessierten zur Verfügung.<br />
An Stand B31 des Tauchernotrufs aqua med<br />
(www.aqua-med.de) gibt es täglich das neue<br />
aUssteller<br />
Die Taucher.Net-Ausstellerliste der Halle 3
15<br />
boot 2010<br />
aqua active agency feiert den<br />
10.Geburtstag und präsentiert<br />
besondere Jubiläumsangebote<br />
Design der dive card zu sehen,<br />
Kunden können ihre alte Karte<br />
gegen eine neue dive card tauschen.<br />
Testwilligen wird ein<br />
Lungenfunktionstest geboten,<br />
wie er bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchungdurchgeführt<br />
wird, dazu sportwissenschaftliche<br />
Fakten durch die<br />
Deutsche Sporthochschule<br />
Köln. Die Daten gibt es auf<br />
Wunsch per E-Mail oder auf<br />
einem mitzubringenden USB-<br />
Stick - für die Interpretation<br />
durch den Taucherarzt deines Vertrauens.<br />
Ganz in der Nähe von Subgear, am Stand C06,<br />
zeigt sich das Team von Scubapro den Besuchern.<br />
Dortiges Highlight ist sicherlich die Rekord-<br />
Apnoetaucherin Anna von Boetticher, die vom<br />
23. bis <strong>25</strong>. Januar allen Apnoe-Interessierten mit<br />
Rat und Tat zur Seite steht. Sie hält zudem am<br />
ersten Wochenende am Tauchturm Vorträge<br />
über ihre Apnoe-Rekorde. Mark Ellyatt, letztmals<br />
2004 mit seinem Tieftauchrekord von 313 Metern<br />
im Munde der Szene, hat das Tauchlager gewechselt<br />
und ist nun in der neuen TEK-Ecke von Scubapro<br />
zu finden, gibt vom 23. bis <strong>25</strong>. Tipps an<br />
interessierte Besucher weiter. Der Unterwasserfotograf<br />
Todd Essick ist täglich von 14:00-15:00<br />
am Stand und bietet signierte Poster zu einem<br />
Top-Preis an. Der Erlös kommt einem guten<br />
Zweck zugute.<br />
Passend zum Slogan „SCUBAPRO – BACK IN<br />
TEK“ wird am Stand C06 die neue Scubapro-TEK-<br />
acHtUnG<br />
Tauchbasenbesitzer aufgepasst: Am Dienstag, den 26.01.2010<br />
findet sowohl am Stand von Subgear als auch von Scubapro jeweils<br />
von 09:00 bis 10:00 Uhr das traditionelle Business Frühstück für<br />
Tauchbasenbesitzer statt.<br />
Linie für Einsteiger und Profis präsentiert.<br />
Wer sich für einen Trockentauchanzug<br />
interessiert, sollte aktiv werden und den neuen<br />
Scubapro FUSION genauer unter die Lupe nehmen.<br />
Unter allen Besuchern, die einen FUSION<br />
anprobiert haben, wird am Ende der Messe ein<br />
Anzug im Wert von 1.399 Euro verlost.<br />
Wichtiger Termin für Höhlentaucher und Interessierte:<br />
30. und 31. An beiden Tagen stehen<br />
Peter Gärtner und Oliver Kurtz von den Cavebase-<br />
Tauchern für interessierte Höhlentaucher als<br />
Gesprächspartner am Stand von Scubapro bereit.<br />
Die Beiden halten am zweiten Messewochenende<br />
am Tauchturm Vorträge über ihre Höhlen-<br />
Rekorde, erzählen, worauf es ankommt, berichten<br />
über Equipment und ihre Erfahrungen in<br />
Extremsituationen.<br />
Nitrox für Lau - dies ist allerdings kein Messespecial,<br />
sondern ab sofort ein weltweiter Service<br />
aller Werner-Lau-Tauchbasen. Die echten Messespecials<br />
sind nicht weniger attraktiv: Wer in<br />
der Zeit von 1. Februar bis 15. Juni 2010 nach<br />
Bali reist und frühzeitig unter www.wernerlau.<br />
com online bucht, bekommt „Tauchrabatt“ von<br />
zehn Prozent. Für Direktbuchungen in den Siddhartha-<br />
und Alam Anda Resorts gibt es die<br />
gleichen Nachlässe. Für Malediven-Safari-Touren<br />
auf der MY Sheena sind ebenfalls Rabatte bis<br />
zu 10 Prozent drin, ebenso wie bei Reisen in<br />
die ägyptischen Werner Lau-Resorts. Wichtig ist<br />
aber der Eingang der Buchung in der Zeit vom<br />
GescHenKt<br />
Taucher, die sich am Stand von Scubapro und Subgear für den<br />
kostenlosen Newsletter registrieren, bekommen als Dankeschön<br />
eine tolle Taucher-Tasse, natürlich gefüllt mit Kaffee.<br />
23.01. bis 05.02.2010 - da bietet sich die Messe<br />
geradezu für die Urlaubsplanung an.<br />
Guido Wätzig, General Manager von SSI Europe<br />
feiert 40-jährigen Geburtstag – den von SSI,<br />
nicht seinen eigenen! Das Jubiläum hat gerade<br />
für Nicht-SSI-Taucher Vorteile: Ab 2010 steht das<br />
kostenlose SSI-Onlineportal www.diveSSI.com<br />
allen Tauchern zur Verfügung mit Bild- und Dokumentenupload,<br />
Ausrüstungs- und Adressverwaltung,<br />
Online-Logbuch, Newsletterservice und<br />
vielem mehr - kostenlos. Alle SSI-Open-Water-<br />
Diver aus Deutschland, Österreich und der<br />
Schweiz, die im Jubiläumsjahr 2010 zertifiziert<br />
werden, erhalten sechs Monate lang kostenlos
16<br />
boot 2010<br />
das Magazin „unterwasser“. Wer schon Taucher<br />
ist, muss nicht traurig sein: Für ihn gibt es ab<br />
sofort die Anerkennungskarten Specialty Diver,<br />
Advanced Open Water Diver und Master Diver<br />
kostenlos, sofern die persönlichen Voraussetzungen<br />
passen. Und der Messebesucher? Jeder<br />
SSI-Taucher, der auf der Messe am SSI-Stand C16<br />
sein SSI-Brevet vorzeigt, erhält ein kostenloses<br />
Messepräsent und SSI-Dive-Professionals dürfen<br />
eine Jubiläumstasse ihr eigen nennen, wenn sie<br />
zu den Mini-Updates am Stand erscheinen.<br />
The same procedure as last year – und das ist<br />
gut so! Extratour Tauchreisen wird auf der „boot<br />
2010“ wieder am gleichen Standort wie in jedem<br />
Jahr vertreten sein: E74. Das Team um Kirsten<br />
Clahr und Antonia Gronert wird von Partnern<br />
aus aller Welt verstärkt: Philippinen, Indonesien,<br />
West Papua … „Die Besucher auf dem Extratour-<br />
Stand können sich auf tolle Angebote und ein<br />
Gewinnspiel freuen, für Überraschung ist<br />
gesorgt“, so Kirsten. Extratour setzt weiterhin<br />
auf ausgefallene und abgelegene Tauchziele wie<br />
die Raja Ampat Inselgruppe in Indonesien, die<br />
Molukken oder auch der Alor Archipel. Im Trend<br />
sind dank relativ kurzer Flugzeiten und einer<br />
geringen Zeitverschiebung 7–10-Tage-Reisen<br />
in nicht allzu entfernte Gebiete wie Jordanien,<br />
Oman, aber auch Mosambik und Südafrika. Bleibt<br />
nur zu hoffen, dass die FIFA-Fußball-WM 2010<br />
nicht das gesamte Preisgefüge in unerschwingliche<br />
Höhen treibt.<br />
Am Stand E66 von Seareq, Hersteller des ENOS®-<br />
Systems, werden am Samstag, den 30.01.2010,<br />
Gewinner ermittelt. Seareq wandte sich auf Taucher.Net<br />
in einem Gewinnspiel mit ernstem<br />
Hintergrund dem Thema „Alle reden über Strömung,<br />
aber die nur die wenigsten Taucher wissen,<br />
wovon sie reden.“<br />
Bis Mittwoch, den 27.01.2010, können User und<br />
Leser von Taucher.Net noch teilnehmen, in dem<br />
sie in einer Mail an info@<strong>seareq</strong>.de die folgende<br />
zweiteilige Frage beantworten: „Wo auf der Welt<br />
ist die stärkste Oberflächenströmung und wie<br />
stark ist sie?“<br />
Fünf glückliche Gewinner werden dann am letzten<br />
Samstag der Messe ermittelt. Als Preis win-<br />
ken eine einwöchige<br />
Tauchsafari im Roten Meer, ein Jacket „Seareq<br />
Search TCB-<strong>25</strong>“, zwei Jahresabonnements eines<br />
Tauchmagazin nach Wahl und als fünfter Preis<br />
eine Strömungsboje.<br />
10 Jahre Aqua Active Agency, Spezialist für<br />
Tauchreisen mit viel Know-how, wenn es um<br />
Tauchreisen an Standardtauchziele und exotische<br />
Ziele geht. Im Firmen-Jubiläumsjahr profitieren<br />
auch Kunden besonders: Ein ganzjähriger Jubiläumsrabatt<br />
von drei Prozent auf den Tauchsafaripreis.<br />
Speziell auf der Messe belohnt Aqua<br />
Active am Stand A69 seine Besucher mit attraktiven<br />
Angeboten, dazu ein tolles Preisausschreiben<br />
mit Toppreisen: Erster Preis ist eine Woche<br />
Maledivensafari auf der MY Amba und als zweiter<br />
Preis winkt eine Woche Tauchsafari auf der<br />
Snefro Spirit oder Crown – und einiges mehr.<br />
Wem das Thema Trockentauchanzug im Kopf<br />
herum spukt, profitiert von den Kallweit-Highlights<br />
der boot 2010: Während der Ausstellung<br />
wird das komplette Sortiment gezeigt, dazu gibt<br />
es umfangreiche Beratung und attraktive Mes-<br />
neue lampen für tekkies gibt es am stand von<br />
dive2gether zu sehen.<br />
serabatte. Mit der Vorstellung von Neuprodukten<br />
wie der Sonderedition Helios, Unterzieher,<br />
einem Hosenträgerbleigurt sowie einem Kevlar-<br />
Handschuhsystem oder den ThermoSocks garantiert<br />
Kallweit neben einigen weiteren Überraschungen<br />
einen kurzweiligen Standbesuch.<br />
Bei dive2gether sind es die kleinen Dinge, die<br />
das Taucherherz höher schlagen lassen, speziell<br />
die der technisch orientierten Taucher. Scuba-<br />
Force SF Light10 nennt sich eine völlig neu<br />
designte Tec-Lampe. Der Akkutank ist doppelt<br />
O-Ring gedichtet und wird verschraubt. Auf<br />
„Ledges“ oder Schlauchschellen wird hingegen<br />
komplett verzichtet.<br />
Ein 5 Ah-Akkutank kombiniert mit einem 10<br />
W-HID-Brenner sorgen für vier Stunden Helligkeit<br />
unter Wasser. Die Lampe ist fix fokussiert<br />
und der Lampenkopf komplett geschlossen.<br />
Auch bei der Art wie der Kopf auf dem Handrücken<br />
getragen wird, geht ScubaForce völlig neue<br />
Wege: Elastische Bänder garantieren ein ermüdungsfreies<br />
Tragen und eine optimale Fixierung.<br />
Wer Tipps rund um Lampe, technisches Tauchen<br />
und mehr benötigt, ist beim dive2gether-Team<br />
am Stand G54 bestens aufgehoben.<br />
Am gleichen Stand bietet der Tec-Tauchverband<br />
SDI / TDI auf der „boot“ erstmalig ein Crossover<br />
für Ausbilder anderer Verbände an. Zwei erfahrene<br />
Instructor-Trainer stehen während der<br />
gesamten Messezeit für ausführliche Gespräche<br />
zur Verfügung. Nichts Neues? Doch, denn es wird<br />
keine Crossover-Gebühr berechnet. „Interessierte<br />
Tauchlehrer sollen unbedingt ihre kompletten<br />
Unterlagen mitbringen wie Tauchlehrer-Brevets,<br />
Zertifizierungslisten und Logbücher“, so SDI/<br />
TDI-Kopf Horst Dederichs.<br />
Guido Wätzig, General Manager von<br />
ssI europe feiert 40-jährigen Geburtstag – den von<br />
ssI, nicht seinen eigenen!<br />
Tauch-<br />
Angebote<br />
Niederländische<br />
Karibik<br />
Waterproof, anerkannter Spezialist für fast alles,<br />
was aus Neopren besteht, steht natürlich auch<br />
auf der „boot“ parat, wenn Taucher mit Fragen<br />
zu Anzug & Co. erscheinen. Interessant wird es
17<br />
boot 2010<br />
WettBeWerB!<br />
Die Unterwasserfotografie hat auf der diesjährigen<br />
boot ihren ersten großen Auftritt. Als gemeinsame<br />
Aktion von Taucher.Net, boot, unterwasser<br />
und der Ägyptischen Chamber of Diving and<br />
Watersports (CDWS) lädt TopShot – Fotowettbewerb<br />
und Ausstellung - die boot-Besucher zu<br />
faszinierenden Impressionen der Unterwasserwelt<br />
ein.<br />
Sieben international renommierte Unterwasser-<br />
Fotografen zeigen in einer Ausstellung ihre persönlichen<br />
Lieblingsbilder. Dazu werden aus dem<br />
Fotobewerb TopShot in vier Kategorien die besten<br />
100 Fotos präsentiert, die von den Veranstaltern<br />
aus allen Einsendungen ausgewählt wurden.<br />
Das letzte Wort aber haben die Besucher. Sie<br />
wählen ihren persönlichen Topshot in jeder Kategorie.<br />
Den Gewinnern winkt die Teilnahme an<br />
einem großen Fotowettbewerb am Roten Meer<br />
im Sommer 2010.<br />
für den, der mit dem Kauf eines neuen 5er- oder<br />
7er-Anzugs liebäugelt. Die fast schon legendäre<br />
LYNX-ARIES Produktserie von Waterproof ist<br />
Vergangenheit, der direkte Nachfolger heißt W2.<br />
Ob als Man oder Lady, beide Varianten gibt es<br />
künftig in 5- und 7-Millimeter-Ausführung. Der<br />
Anzug ist komplett überarbeitet, mit neuen,<br />
aktuellen Farben, einem höheren Nackenabschluss,<br />
einer neuen Innenkaschierung und dem<br />
überarbeitetem Halsabschluss für geringeren<br />
Wasseraustausch.<br />
Insgesamt warten 27 Größenvarianten auf die<br />
Anzugtester. Wer sich zum Kauf entschließt: Der<br />
Overall aus 5 mm-Material hat einen Verkaufspreis<br />
von 329 Euro, in 7 mm ist er für 379 Euro<br />
erhältlich.<br />
WeiTere informaTionen rUnd Um<br />
die „booT 2010“<br />
Die „boot 2010“ nennt sich offiziell 41. Internationale<br />
Bootsausstellung Düsseldorf. Vom 23.<br />
bis 31.01.2010 hat das Messegelände Düsseldorf<br />
täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Veranstalter<br />
ist die Messe Düsseldorf GmbH, Träger<br />
ist der BVWW Bundesverband Wassersportwirtschaft<br />
e.V. (Internet: www.bvww.org).<br />
Die Eintrittspreise: Erwachsene zahlen für die<br />
Tageskarte 15 Euro. Wer in der Zeit von Montag<br />
bis Freitag erst ab 15:00 Uhr in die Messehallen<br />
zieht, bekommt die Eintrittskarte für 9 Euro. Schüler,<br />
Studenten und Auszubildende erhalten vergünstigte<br />
Tagestickets für 10 Euro und am günstigsten<br />
sind Kinder bis 14 Jahre dran: Sie zahlen<br />
lediglich 6 Euro. Wem ein Tag Messe nicht genügt<br />
… die 2-Tageskarten gehen für 23 Euro über den<br />
Tisch. Alle weiteren Informationen rund um die<br />
Messe finden sich unter www.boot.de.<br />
Viel spass beim besUch der „booT<br />
2010“ Und aUf Wiedersehen in der<br />
halle 3, Wenn die „sTimme“ der<br />
messe sie Wieder begrüssT: „gUTen<br />
Tag meine damen Und herren, good<br />
morning, bon JoUr, bUon giorno …“<br />
Bilder von Michael Böhm, Grafik mit freundlicher Genehmigung der Messe Düsseldorf<br />
photo: Kimmo Hagman<br />
Das Rote Meer<br />
Natürliche Kunst<br />
Taba<br />
Nuweiba<br />
Dahab<br />
Sharm el Sheikh<br />
Ain Sokhna<br />
El Gouna<br />
Hurghada<br />
Makadi Bay<br />
Soma Bay<br />
Safaga<br />
El Quseir<br />
Marsa Alam<br />
Hamata<br />
Berenice<br />
Ein Ort für jeden Taucher...<br />
Mehr als 1000 verschiedene<br />
Fischarten, 400<br />
Korallenarten und 44<br />
Haiarten.<br />
Das Rote Meer ist die<br />
einzigartigste Live-Show<br />
der Welt, genau vor Ihren<br />
Augen.<br />
www.cdws.travel<br />
Vermeiden Sie illegale<br />
Veranstalter<br />
Tauchen Sie nur mit legalen<br />
Veranstaltern während Ihres<br />
nächsten Aufenthalts am<br />
Roten Meer.<br />
Alle Tauchveranstalter,<br />
die CDWS-Mitglieder<br />
sind, wurden zertifiziert<br />
nach ISO Standards EN<br />
14467/ ISO 24803, um Ihre<br />
Sicherheit beim Tauchen zu<br />
gewährleisten.<br />
Eine vollständige Liste der<br />
legalen Tauchveranstalter<br />
Ägyptens finden Sie unter:<br />
www.cdws.travel
18<br />
Reise<br />
Bali<br />
meine balinesische scheibenWelT<br />
Was Reporter auf Reisen sehen, ist meist nur<br />
eine Momentaufnahme, ein Schnappschuss.<br />
Anders ist dies bei den Menschen, die dort<br />
leben, wo andere Urlaub machen. Eine davon ist<br />
Dr. Ines Ehmer, deren Mann Düde seit Jahren<br />
das Tauchcenter im Pondok Sari auf Bali leitet.<br />
Sie berichtet für <strong>DiveInside</strong> von einem Bali, das<br />
den meisten Urlaubern verborgen bleibt.<br />
Bericht von Dr. Ines Ehmer
19<br />
Reise<br />
Kein tempel ohne Gottheit: Ganesha soll Glück<br />
bringen, verkörpert unter anderem Weisheit und<br />
Intelligenz.<br />
Die Insel Bali ist eine Scheibe, die von einer<br />
großen Schildkröte getragen wird. Wenn die<br />
Schildkröte stolpert oder ins Wanken gerät, dann<br />
bebt die Erde. Schnellstens muss dann der unter<br />
ihr liegende Drachen zu Hilfe gebeten werden,<br />
damit dieser das Ganze wieder ins Gleichgewicht<br />
bringen kann.<br />
Solch ein Sachverhalt steht in Pemuteran, „meinem“<br />
Dorf im Nordwesten von Bali, nicht zur<br />
Diskussion.<br />
Kennern von Terry Pratchetts Scheibenweltgeschichten<br />
ist diese Sichtweise nicht unbedingt<br />
fremd. Und nach fast sechs Jahren Leben in<br />
Nordwestbali überrascht es mich ebenfalls nicht<br />
mehr, von weiteren Gottheiten und Dämonen<br />
in jedweder Gestalt zu erfahren, die für aktuelle<br />
Ereignisse verantwortlich sind und durch die<br />
allgegenwärtigen Kleinst- bis Großzeremonien<br />
besänftigt oder prophylaktisch in wohlwollende<br />
Stimmung gebracht werden müssen.<br />
Die Bali-Welt, die von Göttern und Dämonen,<br />
von Gut und Böse beherrscht wird, lässt sich für<br />
der Haupttempel in<br />
Pemuteran – ohne<br />
Gaben an die Götter<br />
geht nichts!<br />
jeden Balinesen ohne Schwierigkeiten mit dem<br />
in Einklang bringen, was beispielsweise in der<br />
Schule gelehrt wird. Wenn ich anhand des Globus<br />
gemeinsam mit den Schulkindern das<br />
beliebte Spiel „wer-weiss-wo-Bali/Java/Australien/Europa-…ist“<br />
spiele, weit und breit keine<br />
Schildkröte erkennbar ist und es ganz offensichtlich<br />
auch noch andere Inseln und Länder<br />
außer Bali gibt, dann macht das nichts: Es kann<br />
sich ja um andere Planeten handeln…<br />
Mit westlicher Logik oder naturwissenschaftlichen<br />
Erklärungen kämpft man im Alltagsleben<br />
von Pemuteran jedenfalls auf verlorenem Posten.<br />
Die weißen Langnasen mögen ja klug daherreden,<br />
aber nicht mal elementare Dinge wie das<br />
Wetter können sie beeinflussen! Dabei ist eine<br />
spezielle Zeremonie für den Regengott doch<br />
von größter Wirksamkeit. Und warum gab es<br />
wohl nie einen Tsunami vor Bali? Liegt doch auf<br />
der Hand: Weil eben alle Götter der Erde, der<br />
Meere und des Himmels durch exakte zeremonielle<br />
Handlungen in der Balance gehalten wer
20<br />
Reise<br />
Höchste autoritäten im dorf: die Priester.<br />
den. Spenden an das geistliche Dorfoberhaupt<br />
sind daher nicht nur selbstverständlich, sondern<br />
geradezu unabdingbar, wenn Unheil von der<br />
Insel – und damit natürlich auch von allen Belan-<br />
HeadlIne<br />
Ohne Bildung geht auch auf Bali zukünftig nichts: Den Kindern<br />
aus den ärmsten Familien eine Schulausbildung zu ermöglichen,<br />
ihr Wissen über die Welt erweitern und sie Englisch<br />
zu lehren, ist eines der dringendsten Anliegen von Ines Ehmer.<br />
Die Götter allein werden sie später nicht ernähren können<br />
– so schön dieser Gedanke auch sein mag. Mit viel Herzblut<br />
und eigenen finanziellen Mitteln engagiert sich die Medizinerin<br />
deshalb in diversen Projekten, über die man mehr unter<br />
www.pemuteran.org erfahren kann. Spenden sind herzlich<br />
willkommen!<br />
gen eines weißen Aussiedlers – abgehalten<br />
werden soll. Passiert dennoch etwas, handelt es<br />
sich um Kharma, und dieses wiederum ist von<br />
den Göttern im Einzelfall genau geplant.<br />
Die Weißen sind generell immer wieder gern<br />
genommener Anlass zur Heiterkeit, denn sie<br />
verstehen wirklich so gar nichts davon, wie man<br />
sich verhalten muss. So fallen sie zum Beispiel<br />
in Sitzungen ständig dadurch unangenehm auf,<br />
sofort „zur Sache“ kommen zu wollen, wo doch<br />
jeder weiss, dass man sich erstmal detailliert<br />
vorstellen, gemeinsam ein kleines Gebet sprechen<br />
und über Gott und die Welt reden muss,<br />
bevor man sich unter Einhalten einer inhaltlich<br />
genau abgeklärten diplomatischen Wortwahl<br />
so langsam dem eigentlichen Anlass annähert.<br />
Selbstverständlich immer eines der 27 verschiedenen<br />
Arten von Lächeln im Gesicht, das ohne<br />
jede Worte die jeweilige Stimmung widerspiegelt.<br />
Seawing Nova<br />
Rückkehr einer Legende<br />
Die neue Seawing Nova vereint die bewährte SCUBAPRO Seawing Powerrippen-Technologie<br />
mit den neuesten Innovationen im hydrodynamischen<br />
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weniger Anstrengung und ein komfortables Fußteil mit cleverem Bungee<br />
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Eine starke Flosse – mit nichts zu vergleichen!<br />
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21<br />
Reise<br />
Jedes tempelfest ist auch ein Fest für den nachwuchs.<br />
Laute, harsche Worte – nein, wirklich nicht! Ein<br />
derartiger Gesichtsverlust wäre einfach unglaublich!<br />
Man kann und muss alles in Ruhe besprechen.<br />
Dann ist es erledigt – und zwar unabhängig<br />
davon, ob es umgesetzt wird oder nicht!<br />
„Und das nennen die UrlaUb?“<br />
Überhaupt diese Ungeduld: Wieso muss das<br />
Tauchboot exakt um 8.30 Uhr ablegen und nicht,<br />
wenn sich alle gemächlich bereit gemacht<br />
haben? Angeblich sind diese Weißen doch im<br />
Urlaub hier – was soll diese Hetzerei? Kaum<br />
angekommen, wollen sie schon ´zig Sachen<br />
wissen, planen und organisieren. Die geben<br />
einfach nie Ruhe, sind ständig mit irgendwas<br />
beschäftigt und sehen nicht, dass man nur immer<br />
eine Sache auf einmal tun kann. Schön Schritt<br />
für Schritt, ohne Hektik, immer Pausen dazwischen;<br />
dann bräuchten sie auch nicht immer zu<br />
jammern, dass sie „Stress“ haben. Auch ohne<br />
wissenschaftliche Studien weiss jeder Balinese<br />
intuitiv, dass Multitasking gesundheitsschädlich<br />
ist, wohingegen stundenlanges Abhängen den<br />
kreativen Prozess des „es in uns denken Lassens“<br />
fördert. Oder einfach nur gut tut.<br />
„Die Götter haben Menschen nicht gemacht,<br />
damit sie arbeiten, bis sie vor Müdigkeit umfallen,<br />
sondern damit sie sich des Lebens freuen<br />
und Zeit finden, Feste auszurichten und genügend<br />
zu rasten.“ Diese alte balinesische Weisheit<br />
hat, so finde ich, durchaus einiges für sich, und<br />
ich bin einem diesbezüglichen Adaptationsprozess<br />
gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen.<br />
Dem steht leider entgegen, dass man auch als<br />
Weißer – entgegen hiesiger Annahme ziehen<br />
nicht alle unserer Artgenossen ihr Geld nach<br />
Belieben einfach aus dem Bankautomaten –<br />
arbeiten muss. Die oben erwähnte Einstellung<br />
kann auch ein wenig unpraktisch sein, wenn<br />
man als Arbeitgeber tätig ist.<br />
Hat man sich dann auch noch in den Kopf gesetzt,<br />
eine Tauchbasis betreiben zu wollen, kommt im<br />
Hinblick auf die einheimischen Angestellten<br />
noch der Umstand hinzu, dass die bösen Götter<br />
allesamt im Meer wohnen. Man versteht ja, dass<br />
trotz Götter und dämonen: auch schulbildung ist wichtig. duede+Ines: „Zu Hause in der scheibenwelt: Ines<br />
ehmer und „düde“ Merz„<br />
es Fischer geben muss, die sich aufs Meer begeben,<br />
damit man Fische fangen und essen kann.<br />
Gegen gelegentliches Herumplätschern im Meer<br />
im Kreise der Familie ist auch nichts einzuwenden;<br />
aber wozu soll man sich UNTER Wasser<br />
begeben, in die Reichweite möglicherweise<br />
ungnädiger Götter? Um Fische anzuschauen?<br />
Ja gut, inzwischen weiss man ja, dass die ein<br />
wenig verrückt sind, die Weißen…“bule gila“<br />
eben, wie man kopfschüttelnd und lächelnd<br />
bemerkt.<br />
Dennoch werden die Gäste freundlich von unseren<br />
balinesischen Tauchguides auf die Unterwasserlebewesen<br />
hingewiesen; man freut sich<br />
mit, wenn der hellhäutige Taucher sich von möglichst<br />
kleinen Fischchen, Schneckchen und Garnelchen<br />
begeistert zeigt. Gerne schaut man sich<br />
das Ganze dann nochmal auf dem Kameradisplay<br />
des Gastes mit an, und wenn dieser am Ende<br />
des Urlaubs sogar ein paar Fische beim balinesischen<br />
Namen benennen kann, wird das anerkennend<br />
mit einem Lächeln belohnt.<br />
Zeigt sich der Gast darüber hinaus interessiert,<br />
mehr vom Bali-Leben zu erfahren, wird er gerne<br />
zu einer Tempelzeremonie eingeladen, egal,<br />
welchem Glauben er angehört. Täglich finden<br />
etwa 3.000 Zeremonien baliweit statt (im Jahr<br />
sind das über eine Million), wobei dabei nur die<br />
Großen wie Hochzeit, Dreimonatsfeier, Zahnschleifen,<br />
Tempel- und Hausweihe sowie Verbrennung<br />
gezählt werden. Es findet sich also<br />
auf jeden Fall immer eine Gelegenheit, um an<br />
einer Zeremonie teilzunehmen!<br />
Alle Glaubensrichtungen werden auf Bali toleriert,<br />
denn im Grunde glauben ja sowieso alle<br />
an den einen Gott – der sich auf Bali eben in<br />
diverse Gottheiten aufteilt. Unfassbar wäre allerdings,<br />
wenn jemand an gar nichts glaubt. Das<br />
kann es nicht geben.
22<br />
Reise<br />
alles Wie seiT JahrhUnderTen<br />
Lese ich über das Leben auf Bali in der Zeit zu<br />
Beginn des letzten Jahrhunderts, kann ich im<br />
Grunde keine großen Unterschiede feststellen.<br />
Trotz moderner Statussymbole wie Handy, Moped<br />
und TV ist alles noch immer so, wie vermutlich<br />
seit Jahrhunderten. Der Glaube an die verschlungenen<br />
Wege der Götter und die darauf abgestimmten,<br />
klar festgelegten Richtlinien für alle<br />
Lebenssituationen sind nach wie vor fest verwurzelt.<br />
Zumindest in unserem Dorf kommt<br />
niemand auf den Gedanken, sich den Ritualen<br />
zu entziehen, auch wenn – wie einige Balinesen<br />
selbst zugeben – die gesellschaftlichen Verpflichtungen<br />
zum Besuch aller Zeremonien der<br />
Großfamilie, des Freundes- und Bekanntenkreises<br />
manchmal ein exaktes Timing erfordern; aber<br />
da muss man durch...<br />
Selbstverständlich immer so gekleidet, wie es<br />
dem Anlass entspricht. Keineswegs ist Sarong<br />
gleich Sarong, vor allem nicht bei den Damen.<br />
Insbesondere die Kebaya, die Bluse der Frauen,<br />
unterliegt der aktuellen Mode. Die eingehenden<br />
Beratungen über die beste Kombination, die ich<br />
Unerlässlich,<br />
um Böses<br />
abzuwenden:<br />
Zeremonie im<br />
Haustempel<br />
des Pondok<br />
sari.<br />
mit meiner Hausangestellten führe und die Auswahl,<br />
wenn meine Nachbarin neue Kollektionen<br />
in ihrer Reishütte zeigt, machen allen Beteiligten<br />
sehr viel Spaß und sind für mich besser als jede<br />
Modenschau „bei uns.“ Zur Fashion-Info: Der<br />
neueste Trend aus dem Süden Balis ist ein – als<br />
solcher kaum erkennbarer – Hosenrock in<br />
Sarongform, in dem sogar wir ungelenken Weiße<br />
uns nicht verheddern, und eine Kebaya namens<br />
„Pinguin“.<br />
Genug erzählt: Ich kann gerade nicht weiterberichten,<br />
da ich mich umgehend festlich kleiden<br />
und zur Schule eilen muss. Dort findet die priesterlich<br />
zelebrierte Weihe der neuen (bisher nicht<br />
vorhandenen), von unserer Partnerschule in<br />
Ruhpolding gespendeten Schultoilette statt.<br />
Und danach schau ich noch kurz bei der Familie<br />
der kleinen Wayan vorbei, die krank war. Den<br />
Göttern sei Dank geht`s ihr wieder gut, und das<br />
müssen wir natürlich im Rahmen einer kleinen<br />
Zeremonie feiern.<br />
Selamat tinggal und schöne Grüße von der Scheibenwelt!<br />
Ie<br />
Bilder von Dr. Ines Ehmer
23<br />
Reise<br />
Venezuela<br />
ViVa la VariaTion!<br />
Mehr als 2.800 Kilometer Karibikküste, die<br />
schneebedeckten Gipfel der Anden, der Dschungel<br />
am mächtigen Orinoco, riesige Tafelberge<br />
und der höchste Wasserfall der Welt sowie der<br />
schier unfassbare Artenreichtum der Savanne –<br />
Venezuela ist ein Traumziel für Naturliebhaber,<br />
kann aber auch mit pittoresken Kolonialstädten,<br />
vielfältiger Kultur und bewegter Geschichte aufwarten.<br />
Eines steht fest: Für einen reinen Tauchurlaub<br />
ist das Land viel zu schade.<br />
Bericht von David Feist
24<br />
Reise<br />
„Let’s go!“ Gerardo López ist kein Mann großer<br />
Worte, seinen Namen erfahren wir erst auf Nachfrage.<br />
Wir folgen ihm brav zu seinem Geländewagen.<br />
Seit mehr als zehn Jahren nimmt der<br />
Gleitschirm-Pilot Touristen mit zu Tandemflügen<br />
über seiner Heimat, den venezolanischen Anden.<br />
Heute sind wir seine Passagiere. Bei der Fahrt<br />
von Mérida über die staubige Serpentinenpiste<br />
hinauf zum Startplatz reden auch wir nicht mehr<br />
viel. Das liegt aber weniger an unserem Naturell<br />
als an unserer Nervosität. Immer höher schrauben<br />
wir uns den Berg hinauf in Richtung unseres<br />
Startplatzes, des Hochplateaus „Los Gonzales“<br />
– zwei Handbreit neben dem Reifen geht es ein<br />
paar Hundert Meter fast senkrecht hinab. Oben<br />
angelangt, bereiten Gerardo und sein Kollege<br />
Alberto die Schirme vor, während wir die spektakuläre<br />
Aussicht genießen. Auch Gerardos Briefing<br />
fällt, wie erwartet, knapp aus: „Wenn ich<br />
sage: „Lauf!“, dann läufst Du los, OK?“ „OK!“ „Alles<br />
klar. LAUF!“ Ich spüre, wie sich der Schirm hinter<br />
uns aufrichtet. Ein ziemlich beruhigendes Gefühl,<br />
wenn man auf einen Abgrund zu rennt. Kurz vor<br />
der Kante zieht uns der Wind kraftvoll nach oben<br />
– wir fliegen!<br />
Einen Kilometer unter uns erkenne ich einen<br />
Flusslauf, ein paar Straßen und Dörfer. Die<br />
die Kathedrale von Mérida ist das<br />
geistliche Zentrum der andenregion<br />
(links).<br />
der salto Ángel im canaíma-nationalpark<br />
stürzt fast einen Kilometer<br />
in die tiefe (rechts).<br />
anfängliche Angst weicht schon nach wenigen<br />
Augenblicken einem Gefühl der Euphorie. Der<br />
Wind pfeift uns um die Ohren, wir fliegen einige<br />
Male knapp über die Baumwipfel hinweg, dann<br />
nutzt Gerardo die Thermik, um uns noch weiter<br />
hinaufzubringen. Jetzt fliegen wir weit über den<br />
Gipfeln, mit 360 Grad-Panoramasicht auf die<br />
Anden – wow!<br />
oUTdoor el dorado<br />
Gleitschirmfliegen gehört in Mérida zum „Pflichtprogramm“<br />
für Besucher. Doch die Universitätsstadt<br />
mit dem hübschen Stadtkern im Kolonialstil<br />
hat noch viel mehr zu bieten, sie gilt als<br />
Outdoor-El Dorado: Trekking- und Mountainbiketouren<br />
in den Bergen, das „Canyoning“<br />
genannte Schluchtenklettern, Rafting, Reiten<br />
– nur eine Frage bringt den Mitarbeiter der Ausflugsagentur<br />
ins Schwitzen: „Tauchen?? Da fährst<br />
du wohl besser zur Küste, Amigo!“. Genau das<br />
haben wir vor, wenn auch nicht auf dem direkten<br />
Weg, denn von der Küste kommen wir ja<br />
gerade erst, genauer gesagt: Aus Caracas.<br />
Kirchen aus naturstein – typisch für die dörfer im andenhochland Venezuelas.<br />
„Na klar habe ich einen Caracas-Geheimtipp für<br />
euch: Seht zu, dass ihr so schnell wie möglich<br />
da wegkommt!“, hatte uns eine landeskundige<br />
Freundin bei der Reiseplanung geraten. Da auf<br />
unserer Reise die Natur Venezuelas im Mittelpunkt<br />
stehen soll, beherzigen wir den Ratschlag,<br />
möglichst wenig Zeit in der lärmenden, überfüllten<br />
und als ziemlich gefährlich geltenden<br />
Sieben-Millionen-Metropole zu verbringen.<br />
Schon am Anreisetag besteigen wir also einen<br />
Langstreckenbus, der uns von dort wegbringt.<br />
Nach dem Abschied von Mérida heißt unsere<br />
nächste Station Los Llanos. Diese riesige Feuchtsavanne,<br />
größer als Deutschland, Österreich und<br />
die Schweiz zusammen, wird auch die „Serengeti<br />
Südamerikas“ genannt. Das einzigartige Ökosystem<br />
bietet unzähligen Tier- und Pflanzenar-
<strong>25</strong><br />
Reise<br />
ten Lebensraum, darunter putzigen wie den<br />
Capybaras, den größten Nagetieren der Welt,<br />
die aussehen wie zu groß geratene Meerscheinchen,<br />
aber auch weniger kuscheligen Gestalten<br />
wie Anacondas, Piranhas, Kaimanen und Krokodilen.<br />
Organisierte drei- bis viertägige Jeep-Touren<br />
von Mérida durch die Llanos werden von zahlreichen<br />
Veranstaltern vor Ort angeboten. Übernachtet<br />
wird in Hüttencamps, die Unterkünfte<br />
sind einfach: Hängematten, Gemeinschaftsbäder,<br />
Petroleumlampen als Beleuchtung – wer Luxus<br />
sucht, ist in den Llanos falsch, hier steht das<br />
Naturerlebnis im Mittelpunkt. In der Trockenzeit<br />
von Dezember bis April sind die Llanos eine<br />
Grassteppe. In der Regenzeit aber verwandelt<br />
sich die Gegend in eine riesige Wasserfläche.<br />
Auf einer Bootsfahrt durch die überschwemmte<br />
Landschaft bekommen wir eine Ahnung von der<br />
Artenvielfalt: Ibisse, Papageien, Leguane, Schildkröten<br />
und Kaimane bekommen wir fast im<br />
Begegnungen mit anacondas sind in den llanos fast<br />
garantiert. Piranha-Fischen gehört zum standardprogramm<br />
der meisten tourveranstalter.<br />
Minutentakt aus nächster Nähe zu Gesicht.<br />
Als unser Boot plötzlich von Flussdelfinen begleitet<br />
wird, bedauern wir lautstark, unsere ABC-<br />
Ausrüstung nicht dabei zu haben. Manuel, unser<br />
Guide, tröstet uns: „Heute Nachmittag habt ihr<br />
noch Gelegenheit zum Tauchen“, sagt er mit<br />
einem breiten Grinsen. Mehr ist ihm nicht zu<br />
entlocken, also lassen wir uns überraschen. Am<br />
Nachmittag schwingen wir uns in die Sättel – ein<br />
Ausritt durch die Steppe steht auf dem Plan. Bei<br />
der Rast an einem See ruft Manuel uns zu: „So,<br />
hier könnt ihr tauchen, wenn ihr wollt, aber wartet<br />
noch kurz.“ Er kramt ein kleines Stück rohes<br />
Fleisch aus einer Tasche hervor und wirft es ins<br />
Wasser. Sofort beginnt das Wasser zu brodeln.<br />
„Oh, Piranhas“, bemerkt Manuel mit Unschuldsmine,<br />
„Vielleicht ist das mit dem Tauchen doch<br />
keine so gute Idee.“ Auf dem Rückweg nach<br />
Mérida kommen Wasserratten dann doch noch<br />
auf ihre Kosten, wenn auch mit Schutzhelm und<br />
Paddel statt mit Maske und Atemregler: Bei einer<br />
Raftingtour in der Sierra Nevada, einer reizvollen<br />
Hügellandschaft an den Ausläufern der Anden.<br />
Es ist nicht nur ein weiteres atemberaubendes<br />
Naturerlebnis, sondern auch ein Riesenspaß, sich<br />
in den klaren Gebirgsflüssen der Region durch<br />
die Stromschnellen zu manövrieren.<br />
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Partnerland 2010
26<br />
Reise<br />
Bei einer Bootstour durch<br />
die llanos erleben reisende<br />
den schier unglaublichen<br />
artenreichtum der Feuchtsavanne:<br />
leguane und seltene<br />
Insekten, capybaras, die<br />
weltgrößten nagetiere, und<br />
Flussschildkröten – sie alle<br />
haben hier ihren lebensraum.
27<br />
Reise<br />
die tauchplätze um „los Frailes“ bieten intakte riffe und riesige Fischschwärme.<br />
die alTe haUpTsTadT<br />
Im Jahr 1937 flog der US-amerikanische Buschpilot<br />
Jimmie Angel auf der Suche nach Gold<br />
über den dichten Urwald südlich des Rio Orinoco<br />
und entdeckte dabei gigantische Wasserfälle,<br />
die von riesigen Tafelbergen im Dschungel herabstürzten.<br />
Zunächst glaubte ihm niemand seine<br />
Geschichten, erst 22 Jahre später wurde Angels<br />
Entdeckung verifiziert und der höchste Wasserfall<br />
der Welt nach ihm benannt: „Angel Falls“,<br />
spanisch „Salto Angel“. Wer den Salto Angel<br />
sehen will, muss etwas Zeit mitbringen. Startpunkt<br />
für die Dschungeltour ist Ciudad Bolivar,<br />
das ehemalige Angostura. Mit ihrer farbenprächtigen<br />
Altstadt im Kolonialstil ist die Stadt am<br />
Ufer des Orinoco noch heute ein Touristenmagnet.<br />
Vor 200 Jahren entschied sich hier das<br />
Schicksal des Kontinents, als Simon Bolívar die<br />
Stadt zur Militärbasis im Unabhängigkeitskrieg<br />
gegen die Kolonialmacht Spanien und zur ersten<br />
Hauptstadt des befreiten Landes machte.<br />
Der Weg zum Salto Angel führt zunächst zum<br />
Flughafen von Ciudad Bolívar. Nach rund 30<br />
Minuten landet unser Kleinflugzeug auf der Piste<br />
des nur auf dem Luftweg erreichbaren Canaíma<br />
Nationalparks. <strong>Von</strong> hier, dem traumhaft an einer<br />
Lagune mit sieben mächtigen Wasserfällen gelegenen<br />
Dorf Canaíma, geht es nur per Boot weiter<br />
– weder Straßen noch Wanderwege führen<br />
zum Wasserfall. Die Fahrt flussaufwärts dauert<br />
knappe fünf Stunden, dichter Urwald an beiden<br />
Ufern. Nach einigen Flussbiegungen tauchen<br />
vor uns dunkle Kolosse auf. Die Tafelberge, in<br />
der Sprache der Pemón, der Ureinwohner, „Tepuís“<br />
genannt. Wir gleiten auf dem Rio Churún zwischen<br />
den Giganten hindurch, die Einheimischen<br />
nennen diesen Abschnitt „Cañon del Diablo“ –<br />
Teufelsschlucht.<br />
Nach dem Anlegen folgt noch ein einstündiger<br />
Fußmarsch durch den Dschungel, dann gibt eine<br />
Lichtung den Blick auf den Wasserfall frei, der<br />
über die Kante eines Tepuí 979 Meter in die Tiefe<br />
fällt. „Der Salto Angel ist 16 mal höher als die<br />
Niagarafälle“, erklärt unser Guide Gabriel. „Er<br />
führt aber viel weniger Wasser. Wenn es lange<br />
nicht geregnet hat, kommt hier unten nur ein<br />
feiner Nebel an.“ Wir stehen nur da und genießen<br />
für eine Weile den majestätischen Anblick,<br />
nehmen noch ein kühlendes Bad in der Lagune<br />
am Fuß des Wasserfalls und machen uns auf den<br />
Weg zu unserem Camp, von wo wir am nächsten<br />
Morgen bereits den Rückweg in die Zivilisation<br />
antreten werden. Schade einerseits, doch die<br />
Vorfreude auf Fischschwärme und karibische<br />
Korallengärten versüßt uns den Abschied – die<br />
letzte Etappe unserer Reise heißt Isla Margarita.<br />
TaUchen bei den mönchen<br />
Die gut 1.000 Quadratkilometer große Insel<br />
bietet alles, was das Touristenherz begehrt: weiße<br />
Strände, malerische Fischerdörfer, die lebhafte<br />
Inselhauptstadt Porlamar mit unzähligen Clubs,<br />
Restaurants und Shoppingmöglichkeiten, das<br />
Surferparadies Playa el Yaque und ganzjährig<br />
Beim tauchen auf Margarita lohnt es sich<br />
genauer hinzusehen!<br />
LASS DEN<br />
„DAEMON“<br />
IN DIR FREI, UNTER<br />
SUB.DE<br />
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28<br />
Reise<br />
Bei Wanderungen in den nationalparks<br />
lohnt sich auch ein Blick ins Unterholz.<br />
Baden, tauchen, reiten am strand:<br />
das Freizeitangebot auf Margarita ist fast unbegrenzt.<br />
rafting gehört zu den Highlights<br />
in der sierra nevada.<br />
die touren lassen sich gut mit<br />
mehrtägigen trips von den anden<br />
in die llanos verbinden.<br />
Zwischen den städten<br />
verkehren komfortable langstreckenbusse<br />
– auf den<br />
Kurzstrecken in den dörfern<br />
geht’s eher nostalgisch zu.
29<br />
Reise<br />
traumhaftes Klima. Naturliebhaber können die<br />
Mangrovensümpfe im Nationalpark Laguna de<br />
la Restinga bestaunen, aber auch mit Bergnebelwäldern<br />
und Halbwüsten kann Margarita<br />
aufwarten. Kulturfans bieten sich einige historische<br />
Kleinstädte, die ältesten Kirchen des Landes<br />
und zwei gigantische spanische Festungen.<br />
Uns aber interessieren hier vor allem die Attraktionen<br />
unterhalb der Wasseroberfläche. Mit Jörg,<br />
die Pfeil-Gespensterkrabbe sucht schutz zwischen<br />
den tentakeln einer anemone.<br />
<strong>Von</strong> der Backpacker-Herberge bis zum luxusresort<br />
– auf Margarita ist das Meer nie weit weg.<br />
dem Inhaber von Scubadiving Margarita, seiner<br />
Tochter – und Tauchlehrerin – Patricia und acht<br />
weiteren Pressluftjüngern starten wir am nächsten<br />
Morgen endlich unseren ersten Tagestrip<br />
nach „Los Frailes“, (zu deutsch: „Die Mönche“).<br />
Diese unbewohnte Inselgruppe zwölf Kilometer<br />
nordöstlich von Margarita gilt als das Top-Tauchgebiet<br />
der Region. „Die Tauchgründe sind relativ<br />
flach“, erzählt uns Jörg auf der halbstündigen<br />
Überfahrt. „Steilwandtauchen ist hier nicht zu<br />
haben, aber die Korallenböcke und der Sandboden<br />
strotzen nur so vor Leben. Also ganz<br />
langsam tauchen und Augen auf!“ Wir halten<br />
uns an seine Empfehlung und werden nicht<br />
enttäuscht: Gleich beim ersten Abstieg begrüßt<br />
uns ein mächtiger Barrakuda. Und es geht „lebendig“<br />
weiter: Kraken, Unmengen gefleckter Muränen,<br />
Fledermaus- und Kugelfische, Riffbarsche<br />
und Pfauenbutte, Stechrochen und Krustentiere<br />
in allen Größen gehören auf unseren Tauchgängen<br />
zum „Standardprogramm“. Zu unserer Überraschung<br />
sind auch die Korallen in diesem viel<br />
besuchten Gebiet recht gut erhalten. Das Beeindruckendste<br />
– und in der Karibik etwas uner-
30<br />
Reise<br />
Beeindruckende Würgefeige im nationalpark Henri Pittier an der Karibikküste.<br />
wartete – sind aber die großen Fischschwärme,<br />
vor allem am fantastischen Tauchplatz „Punta<br />
Payape“: Riesige Mengen von Gelbschwanzschnappern<br />
und Französischen Grunzern begegnen<br />
uns hier.<br />
schWerer abschied<br />
Das köstliche Mittagessen zwischen den langen,<br />
geruhsamen und meist fast strömungsfreien<br />
Tauchgängen wird auf der Sonnenterrasse einer<br />
kleinen Steinhütte auf einer der Inseln gereicht,<br />
bevor es in aller Ruhe zum nächsten Tauchplatz<br />
geht.<br />
Unser Fazit: Margarita gehört sicher nicht zu den<br />
Top-10 Taucherinseln dieser Welt, aber wer richtig<br />
entspanntes Karibiktauchen sucht und auch<br />
an Land etwas geboten bekommen möchte, der<br />
ist hier goldrichtig. Die drei Wochen sind wie im<br />
Flug vergangen, wir stehen noch immer ganz<br />
unter dem Eindruck all dessen, was wir gesehen<br />
haben. Zurück bleibt das Gefühl, dass es noch<br />
viel mehr zu entdecken gäbe. Zum Beispiel das<br />
Archipel „Los Roques“ mit seinen vielen kleinen<br />
Inseln und Riffen, oder das mächtige Orinoco-<br />
Delta, an dessen Flussarmen Ureinwohner noch<br />
auf ihre traditionelle Weise leben, oder die vielen<br />
weiteren Nationalparks oder, oder…<br />
Wir werden wohl wiederkommen müssen. Nicht<br />
nur zum Tauchen. Aber auch!<br />
Bilder von David Feist, UW-Bilder von Scubadiving Margarita
Tauchen im meer der GöTTer<br />
Euro Divers Cala Joncols<br />
Poseidon Nemrod Diving<br />
Stolli‘s Tauchbasis<br />
Scuba Activa Dragonera<br />
Dragonera Divers<br />
Tauchen im meer<br />
der GöTTer<br />
Die schönsten Tauchplätze des mittelmeers –<br />
präsentiert von einigen der etabliertesten basen<br />
des mare nostrum<br />
European Diving School<br />
Omnisub Elba<br />
am miTTelmeer<br />
Tauchbasen am miTTelmeer<br />
Tauchbasen<br />
Spanien: Poseidon Nemrod Diving<br />
Stolli’s Tauchbasis<br />
Euro Divers Cala Joncols<br />
Scuba Activa Dragonera<br />
Dragonera Divers<br />
Italien: Omnisub Elba<br />
Scuba Center Marina<br />
diving.DE Cres<br />
Calypso Diving Centre<br />
Najada d.o.o.<br />
Mad Shark Malta<br />
Wählen sie hier ihre Tauchbasis.<br />
Frankreich: European Diving School<br />
Kroatien: diving.DE Cres<br />
Najada d.o.o.<br />
Scuba Center Marina<br />
Malta: Mad Shark Malta<br />
Calypso Diving Centre<br />
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32<br />
Biologie<br />
Wer steht an der spitze der<br />
nahrungskette in heimischen<br />
Gewässern? Wer ist groß,<br />
selbstbewusst und lässt sich<br />
problemlos fotografieren? Was<br />
ist der einzige Fisch, den<br />
100% der taucher sofort und<br />
richtig identifizieren? sein<br />
plötzliches erscheinen vor der<br />
Maske ist Grund für so manche<br />
schrecksekunde im trüben<br />
tümpel. das anglerlatein<br />
über ihn würde ganze Bibliotheken<br />
füllen. das taucherlatein<br />
auch. Ganz klar: alles<br />
dreht sich hier um esox, den<br />
„süßwasserbarrakuda“!<br />
Nicht<br />
schlecht,<br />
Herr<br />
Hecht<br />
Bericht von Harald Mathä
33<br />
Biologie<br />
HecHt<br />
Familie: Hechte (Europa: Eine Art)<br />
Lat.: Esox lucius<br />
Engl.: Pike<br />
Länge: Durchschnittlich 40-80 cm, Weibchen bis 150 cm<br />
und mehr. Männchen deutlich kleiner.<br />
Aussehen: Gut an die Umgebung angepasst. Junghechte<br />
oft grasgrün, Althechte meist dunkel<br />
Lebensraum: Meist in der Uferzone<br />
Verwechslungsmöglichkeit: Zander (optische Tauchbrille<br />
kaufen!) und Barrakuda (gibt‘s net im Süßwasser!)<br />
Laichzeit: Im Frühjahr<br />
aUssehen<br />
Ein torpedoförmiger Körper, der durch seine kraftvolle<br />
Schwanzflosse wie eine Rakete beschleunigt.<br />
Durch die weit hinten liegende Rücken- und Afterflosse<br />
sind extreme Kurvenmanöver möglich. Große,<br />
lichtempfindliche Augen. Eine, im geschlossenen<br />
Zustand, entenschnabelförmige Schnauze. Sein<br />
Maul kann er weit aufreißen und kräftig zubeißen.<br />
Im Unterkiefer warten lange, dolchartige Zähne<br />
darauf, sich in das Fleisch der Beute zu schlagen.<br />
Die Zähne am Oberkiefer können zurückgeklappt<br />
werden und machen es der einmal gepackten Beute<br />
unmöglich zu entkommen. Streifen oder Punkte<br />
lösen die Silhouette des Lauerjägers auf und lassen<br />
ihn mit der Umgebung verschmelzen. Der Bauch<br />
ist hell. Dadurch wird er beim Blick an die Wasseroberfläche<br />
schlechter erkannt. Junghechte (Grashechte)<br />
sind meist grün, alte Hechte werden immer<br />
dunkler. Hecht und Barrakuda ähneln sich zwar, sind<br />
aber nicht miteinander verwandt.<br />
lebensraUm<br />
Bevorzugt leben Hechte im Uferbereich von stehenden<br />
oder langsam fließenden Gewässern, wo<br />
sie aus dem Halbdunkel ins Wasser hängender Äste<br />
an der spitze der nahrungskette im see.<br />
oder Totholz ihre Beute auflauern. Ebenso gern<br />
versteckt er sich zwischen Wasserpflanzen. Regungslos<br />
verharrt er dort. Mit vorsichtigen Bewegungen<br />
seiner Brustflossen richtet er seinen Körper wie ein<br />
Torpedo auf die Beute aus. Plötzlich schießt er vor<br />
und erscheint im selben Moment ein Stück weiter<br />
wieder. Mit dem anvisierten Ziel im Maul. Verfehlt<br />
er seine Beute unternimmt er keine größeren<br />
Anstrengungen sie weiter zu verfolgen. Junghechte<br />
stoßen in der „Lernphase“ gerne in Fischschwärme.<br />
Dabei verfehlen sie oft ihre Beute, verfolgen sie<br />
aber verbissen weiter. Loopings, Haken und andere<br />
akrobatische Manöver spielen sich dabei vor der<br />
Tauchbrille des geduldigen Beobachters ab.<br />
ein alter Herr, aber immer noch chef im revier<br />
Bild links: Daniela Leonhardt, rechts: Seabird
34<br />
Biologie<br />
auch künstliche Verstecke werden gerne angenommen<br />
Generell ist die Chance auf Hechtbegegnungen<br />
im Flachwasser am größten. Hechte sind reviertreu.<br />
Einmal den „Ansitz“ entdeckt, hat man gute<br />
Chancen den ansässigen Hecht dort häufig anzutreffen.<br />
beUTe<br />
Grundsätzlich attackiert der Lauerjäger jeden<br />
Fisch, den in seinen Schlund passen könnte. Bevorzugt<br />
werden schlanke Fischarten wie Salmoniden<br />
(Forellen, Saiblinge,...), da diese leichter geschluckt<br />
werden können. Die Beute wandert unzerkaut in<br />
den Magen. Oft noch lebend. Mit dem Kopf voran,<br />
dass keine Verletzungen durch Flossenstacheln<br />
entstehen. Meist schnappt sich der Hecht seine<br />
Beute von der Seite, muss sie also vor dem Schlucken<br />
erst im Maul drehen. Hechte sind Kannibalen.<br />
Viele Junghechte landen im Magen der Artgenossen.<br />
Nicht nur Fische stehen auf dem Speiseplan<br />
von Esox: Auch zu Fröschen und jungen<br />
Wasservögeln sagt er nicht nein.<br />
forTpflanzUng<br />
Hechtweibchen sind wahre Amazonen: Die Männchen<br />
wirken neben ihnen wie Zwerge. Dies ist<br />
speziell bei der Paarung kritisch, da grundsätzlich<br />
gilt: Großer Hecht frisst kleinen Hecht! Um<br />
das Aussterben der Art durch satte Weibchen<br />
mit unbefruchteten Eiern zu verhindern, hat<br />
Frau Hecht während der Laichzeit eine Fresshemmung.<br />
Was für Romeo aber keine Garantie<br />
ist, nicht nach getaner Arbeit im knurrenden<br />
Magen seiner „Julia“ zu landen.<br />
die Beute muss erst im Maul gedreht werden um<br />
sie mit dem Kopf voraus zu schlucken<br />
Verletzungen eines buhlenden Männchens in der<br />
Paarungszeit<br />
Am Seeufer kann noch der Schnee weiß glitzern,<br />
da beginnt schon das Vorspiel zur Hechthochzeit.<br />
Sie dauert bis in das Frühjahr. Mehrere Hechtmännchen<br />
buhlen dabei um ein Hechtweibchen. Die<br />
Konkurrenten rammen und beißen sich. Verletzungen<br />
sind an der Tagesordnung. Denn: aus den<br />
heftigen Kämpfen kann nur ein Sieger hervorgehen.<br />
An geeigneter Stelle streift das Weibchen ihre<br />
klebrigen Eier an Wasserpflanzen ab. 20- bis 300.000<br />
sind es! Das Sieger-Männchen befruchtet sie hektisch.<br />
Eile ist geboten, da die unterlegenen Männchen<br />
auf ihre Chance warten.<br />
Bevorzugt laichen Hechte auf vom Frühjahrshochwasser<br />
überschwemmten Wiesen ab. Aber: wo<br />
gibt es diese heutzutage noch? Nach zwei bis<br />
Bilder: links: Ralf Hurlbrink; rechts: Andreas Reiter, Silvana Gueffroy
35<br />
Biologie<br />
Bestens getarnt lauert esox zwischen<br />
Wasserpflanzen die entenschnabelförmige<br />
schnauze des Hechts<br />
Keine drohgebärde im trüben Baggersee:<br />
Gähnender Hecht<br />
so klein und schon Jäger: Babyhecht mit Beute<br />
Bilder: links: Sebastian Slomski; rechts: Wolfgang Hauer, Frank Slomski
36<br />
Biologie<br />
spitz und scharf wie dolche: Hechtzähne<br />
vier Wochen schlüpft der wenige mm kleine<br />
Nachwuchs aus den Eiern. Anfangs ernähren sie<br />
sich noch vom Dottersack, dann von Plankton. Mit<br />
wenigen Zentimetern Länge steigen sie aber schon<br />
auf handfestere Nahrung um: Fisch! Unter günstigen<br />
Umständen misst ein Junghecht zu seinem ersten<br />
Geburtstag bereits 45 cm!<br />
Junge Hechte haben ein schweres Leben. Nicht<br />
nur, weil sie von Größeren gefressen werden:<br />
Die Reviere sind unter den großen Hechten fest<br />
aufgeteilt und werden erbarmungslos verteidigt.<br />
Das ist auch der Grund, warum auch bei ausreichend<br />
Futterfisch der Hechtbestand in einem<br />
Gewässer kaum steigt. Hat ein Hecht einmal eine<br />
Größe erreicht, in der er von anderen Hechten<br />
nicht mehr gefressen werden kann, dann hat er<br />
nur mehr einen Feind: Die listenreichen und<br />
verlockenden Köder der Angler! Hat ein alter,<br />
erfahrener Hecht auch dies überlebt und kennt<br />
er die Tricks, dann kann er ein Alter von über 30<br />
Jahren erreichen. Solche Methusalems sind aber<br />
selten. Die normale Lebenserwartung liegt bei<br />
10 bis 15 Jahren.<br />
gefährdUng<br />
Man kann es kaum glauben! Hechte sind als gefährdet<br />
eingestuft. Grund dafür ist, dass die meisten<br />
Gewässer reguliert sind und im Frühjahr kaum noch<br />
Wiesen überschwemmt werden, wo die Hechte am<br />
liebsten ablaichen würden. Dass man bei Tauchgängen<br />
trotzdem so viele Hechte sieht, liegt an<br />
Besatzmaßnahmen durch Fischer.<br />
WirTschafTliche bedeUTUng<br />
Hechte sind unter Anglern sehr beliebt, weil sie so<br />
toll kämpfen. Um ihr Leben wohlgemerkt! Darum<br />
werden sie nach einem Erinnerungsfoto wieder ins<br />
Wasser gesetzt. Bis zum nächsten Biss - toll! Das<br />
Fleisch von Hechten ist fest, schmackhaft und fettarm.<br />
Aber auch sehr trocken. Dies, die spitzen<br />
Y-förmigen Gräten und das „Wieder betrunken oder<br />
mit einem Hecht brauchst du mir gar nicht nach<br />
Hause kommen!“ der Hausfrau bewahrte manch<br />
Esox schon vor dem Kochtopf.<br />
TigerhechT<br />
Dieser stammt nicht wie die Tigerente von Janosch,<br />
sondern ist eine unfruchtbare Züchtung. Da europäische<br />
Hechte wegen ihres aggressiven Revierverhaltens<br />
nicht in Aquakulturen gehalten werden<br />
können, wurden diese mit dem amerikanischen<br />
Hecht „Muskellunge“ gekreuzt.<br />
zUsammenfassUng<br />
Der Hecht ist der bekannteste und dominierende<br />
Raubfisch in heimischen Gewässern. Verwechslung<br />
ausgeschlossen. In der Größe wird er nur<br />
mehr vom extrem seltenen Stör oder vom Wels<br />
übertroffen. Kaum möchte man glauben, dass<br />
er ohne Besatz durch die Fischer fast schon<br />
BUcHtIPP<br />
verschwunden wäre. Denn sein natürliches Laichgebiet,<br />
vom Frühjahrshochwasser überschwemmte<br />
Wiesen, gibt es wegen Regulierungsmaßnahmen<br />
nur mehr selten. HM<br />
schrecksekunde im see<br />
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38<br />
Medizin und Biologie<br />
Kinder- & Jugendtauchen<br />
Was eltern tauchmediziner Fragen (sollten!)<br />
Wenn mich eltern fragen, ob ihr Kind tauchen darf, so gibt es darauf keine schnelle antwort. natürlich ist tauchen für mich eine der schönsten<br />
sportarten, aber es ist auch nicht so einfach wie Fahrradfahren. Wir tauchen ein in eine fremde Welt mit völlig anderen Gesetzen und unerwarteten<br />
Gefahren. natürlich ist es für Kinder faszinierend schwerelos zu schweben und bunten Fischen zuzuschauen. Wir als eltern, sollten uns<br />
jedoch fragen, welche Gefahren bestehen für mein Kind beim tauchen. Fangen wir mit der häufigsten Frage an:<br />
isT mein kind alT genUg<br />
zUm TaUchen?<br />
Wir wissen, dass sich die Lungenbläschen noch<br />
bis zum 8. Lebensjahr entwickeln und danach<br />
die Lungenfeinstruktur nur noch an Zahl und<br />
Größe zunimmt. So gibt es aber bei Kindern<br />
große Differenzen in der körperlichen Entwicklung,<br />
so dass erst ab 10 Jahren mit Sicherheit<br />
von einer ausgereiften Lungenstruktur gesprochen<br />
werden kann. Das Herz-Kreislauf- System<br />
eines 10 jährigen Kindes ist noch weit entfernt<br />
von der Belastbarkeit eines 16 jährigen Jugendlichen.<br />
Die für das Tauchen wichtigen physikalischen<br />
Gesetze müssen verstanden und praktisch<br />
umgesetzt werden. So kann bereits ein Aufstieg<br />
mit Atemanhalten aus geringen Tiefen zu einem<br />
Lungenriss führen. Die Altersspanne von 8-16<br />
Jahren umfasst den Übergang von der Kindheit<br />
in die Adoleszenz mit der schwierigen Phase<br />
der Pubertät bis zum jungen Erwachsenenalter.<br />
Dabei kommt es zu einem Wachstumsschub<br />
mit starken körperlichen Änderungen (und<br />
Gefahr von Schädigungen) und zu einem erheblichen<br />
neuronalen Umbau mit entsprechender<br />
psychischer Labilität. Es bestehen deshalb in<br />
der Bewertung zwischen einem 8 – 10 jährigen<br />
Kind und einem 14-16 jährigen Jugendlichen<br />
große Unterschiede. Ich halte deshalb eine kindgerechte<br />
Tauchausbildung frühestens ab dem<br />
10. Lebensjahr für sinnvoll.<br />
Bericht von von Dr.med.Christian Beyer, Kinder-Jugendkardiologe , Taucherarzt ( GTÜM)<br />
Bericht von Anke Fabian
39<br />
Medizin und Biologie<br />
Wie Tief darf mein kind TaUchen?<br />
Es gibt keine tauchmedizinischen Untersuchungen<br />
(und wird sie auch in absehbarer Zukunft<br />
nicht geben) bei denen geprüft wird, welche<br />
Tauchtiefe für Kinder noch verträglich ist. Wir<br />
wissen aber, dass mit zunehmender Tauchtiefe<br />
die Gefährdung bei auftretenden Problemen<br />
potentiell zunimmt. So berichtete die Zeitschrift<br />
„unterwasser“ im März 2007 von einem 14 jährigen<br />
Mädchen, das nach einem Notaufstieg aus<br />
<strong>25</strong> m Tiefe (weil ihr die Maske durch eine Flosse<br />
vom Gesicht geschlagen wurde) bereits an der<br />
Oberfläche Blut hustete und 12 Stunden später<br />
verstarb. Jeder fatale Unfall eines Kindes beim<br />
Tauchen ist ein Unfall zu viel! Kein Kind muss tauchen!<br />
Wir müssen deshalb das Risiko eines Unfalles<br />
so gering wie möglich halten. Ich denke, dass<br />
eine Tauchtiefe von 8-10 m bis zum 12. Lebensjahr<br />
völlig ausreichend ist. Hat ein Jugendlicher mit 14<br />
Jahren schon mehr als 20 Tauchgänge absolviert,<br />
so ist eine Tauchtiefe bis 15 m zu vertreten.<br />
Wie lange darf mein kind TaUchen?<br />
Wir wissen aus der Kinderheilkunde, dass die<br />
Aufmerksamkeitsdauer eines Kindes im Vergleich<br />
zum Erwachsenen deutlich kürzer ist (mit starken<br />
individuellen Schwankungen). Gleichzeitig ist<br />
bekannt, dass es bei Kindern schneller zu einer<br />
Unterkühlung kommt. Frieren oder bereits Kältezittern<br />
führt zu einem Verlust von Konzentrationsfähigkeit.<br />
Abhängig von der Wassertemperatur<br />
und vom Kälteempfinden des Kindes ist<br />
eine Tauchdauer vom 10. -14. Lebensjahr von 30<br />
min ausreichend. Vom 14. bis 16. Lebensjahr kann<br />
in der Regel bis 45 min getaucht werden. Dies<br />
sind nur Empfehlungen, entscheidend ist die<br />
Beurteilung durch den Ausbilder unter Wasser.<br />
kann die schWere TaUchaUsrüs-<br />
TUng meinem kind schaden?<br />
Besonders während der Pubertät mit dem ausgeprägten<br />
Wachstumsschub kann es zu Schädigungen<br />
des Skelettsystem durch Überlastung<br />
oder Fehlbelastung kommen. Dieses gilt beson-<br />
ders für die Wirbelsäule, sowie für die Hüft- und<br />
Fußgelenke. Das lange Tragen einer schweren<br />
Ausrüstung zum Tauchplatz sollte also vermieden<br />
werden. Auch wenn es von Jugendlichen<br />
als „uncool“ angesehen wird, ist Hilfe von Erwachsenen<br />
beim Tragen und beim An-und Ablegen<br />
des Tauchgerätes dringend zu empfehlen. Das<br />
Gewicht kann durch kleinere Flaschengrößen<br />
reduziert werden. Zur Schonung der Fußgelenke<br />
bei Kindern ist ein weiches Flossenblatt ratsam.<br />
Wichtig ist, bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchung<br />
auf bereits bestehende Fehlhaltungen<br />
und Schäden zu achten.<br />
darf mein kind miT asThma<br />
TaUchen?<br />
Untersuchungen haben gezeigt, dass sowohl<br />
ein Überdruck in der Lunge, als auch eine verminderte<br />
Lungenelastizität zu einer arteriellen<br />
Gasembolie führen können. Bei einer retrospektiven<br />
Untersuchung von Kindern und Jugendlichen,<br />
die auf Hawaii einen Tauchunfall erlitten<br />
hatten, hatten fast 50 % eine Vorgeschichte mit<br />
einer Asthmaerkrankung (zum Glück kam es zu<br />
keinen Todesfällen). Kein Kinderpulmologe<br />
konnte mir bisher zu 100 % garantieren, dass es<br />
bei einem Kind mit einer Asthmaerkrankung<br />
unter Wasser nicht zu einem Anfall kommen<br />
kann. Beim Asthma kommt es durch eine Vielzahl<br />
von Ursachen zu einer Fehlfunktion der Atemwege,<br />
die von Person zu Person aber auch bei<br />
derselben Person in der Schwere und Dauer<br />
erheblich variieren können. Bei Jugendlichen<br />
ab dem 16. Lebensjahr tritt häufig eine Verbesserung<br />
der Symptome ein; dann kann eine individualisierte<br />
Entscheidung getroffen werden.<br />
Bis zu diesem Zeitpunkt halte ich ein Tauchen<br />
von Kindern mit Asthma („Jeder Unfall ist einer<br />
zu viel“) für zu risikoreich.<br />
mein kind haT adhs Und nimmT das<br />
medikamenT riTalin. darf es damiT<br />
TaUchen?<br />
Auch beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-<br />
Syndrom hat man es mit einer Erkrankung<br />
zu tun, die viele Ursachen hat. Kürzlich durch-<br />
geführte MRT-Untersuchungen haben gezeigt,<br />
dass eine Reifungsverzögerung im Frontalhirnbereich<br />
vorliegt. Neben genetischen Ursachen<br />
und Störungen des Dopaminstoffwechsels mag<br />
es eine der verschiedenen Ursachen für die<br />
Symptome mit Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität<br />
und impulsiven Verhalten sein. Dieses<br />
Verhalten führt beim Tauchen zu einer deutlich<br />
erhöhten Gefährdung des Kindes. Ein Unfallbericht<br />
aus Australien, bei dem ein Kind vergessen<br />
hatte sein Jacket aufzublasen und von seinem<br />
Bleigürtel auf 50 m Tiefe gezogen wurde (und<br />
nur durch viel Glück mit einem leichten Gesundheitsschaden<br />
davonkam) zeigt, das Konzentrationsstörungen<br />
beim Tauchen zu schweren<br />
Unfällen führen können. Mit verschiedenen
40<br />
Medizin und Biologie<br />
auch wenn es von Jugendlichen als „uncool“ angesehen wird, ist Hilfe von erwachsenen beim tragen und<br />
beim an-und ablegen des tauchgerätes dringend zu empfehlen.<br />
Medikamenten können die Symptome heute<br />
verbessert werden. Im Beipackzettel werden<br />
jedoch gefährliche Tätigkeiten ausdrücklich<br />
ausgeschlossen, d.h. auch unter Medikation sollte<br />
nicht getaucht werden. Wie beim Asthma ist<br />
eine Neubewertung im Alter von 16-18 Jahren<br />
möglich.<br />
mein kind haT einen herzfehler.<br />
kann es damiT TaUchen?<br />
Die Vielzahl von Herzfehlern ist groß und der<br />
Schweregrad kann so unterschiedlich, sein dass<br />
jede Beurteilung individualisiert werden muss.<br />
Generell kann gesagt werden, dass alle Herzfehler,<br />
die zu einer Einschränkung der körperlichen<br />
Belastbarkeit führen, ein Tauchverbot mit sich<br />
bringen. Patienten mit Vorhofseptumdefekten,<br />
die zu einem Übertritt von Mikrogasbläschen<br />
in den System-arteriellen Kreislauf führen könnten,<br />
dürfen nicht tauchen, auch wenn sie körperlich<br />
gut belastbar sind. Bei Kindern und<br />
Jugendlichen ist die Inzidenz eines persistierenden<br />
Foramen ovale (PFO) im Vergleich zum<br />
Erwachsenen erhöht. Wir wissen aus der so<br />
genannten „Taucherstudie“, dass es bei Tauchern<br />
mit einem PFO zu einem vermehrten Übertritt<br />
von Gasbläschen und anschließenden Mikroinfarkten<br />
im Gehirn kommen kann. Es gibt keine<br />
Studien im Kindes- bzw. Jugendalter. Bei tiefen<br />
Tauchgängen müsste auch hier ein erhöhtes<br />
Gefährdungsrisiko vorliegen. Es gibt auch (seltene)<br />
Herzrhythmusstörungen, die unter Stresssituationen<br />
zu einem plötzlichen Herztod führen<br />
können. Ein EKG gehört deshalb grundsätzlich<br />
zu einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung.<br />
Wie kann ich das risiko für mein<br />
kind beim TaUchen Verringern?<br />
Dazu gibt es für mich drei Ansätze:<br />
1. Eine ausführliche und auf Kinder und Jugendliche<br />
zugeschnittene Tauchtauglichkeitsuntersuchung<br />
mit ausführlicher Anamnese (Vorgeschichte)<br />
und Berücksichtigung der körperlichen<br />
und psychischen Entwicklung.<br />
2. Eine ebenso gestaltete Tauchausbildung, die<br />
zu einem verantwortungsbewussten Tauchen<br />
anleitet.<br />
3. Ein besonders ausgebildeter Tauchpartner,<br />
der über die körperlichen und psychischen<br />
Besonderheiten von Kindern und Jugendlichen<br />
informiert und so erfahren ist, dass er auch in<br />
Notsituationen sicher handeln kann.<br />
Zu den Punkten 2. und 3. sind besonders die<br />
Tauchsportverbände gefragt, entsprechende<br />
Ausbildungsrichtlinien und Kurse anzubieten<br />
und zu erweitern.<br />
Zu Punkt 1. sind die Tauchmediziner aufgefordert,<br />
sich den besonderen Anforderungen zu stellen.<br />
Ein wichtiger Punkt ist die Erhebung einer sehr<br />
ausführlichen Vorgeschichte mit besonderem<br />
Schwerpunkt auf allergische Erkrankungen. Aber<br />
auch Erkrankungen in der Familie (plötzliche<br />
Todesfälle) müssen besonders berücksichtigt<br />
werden. Die körperliche Untersuchung muss<br />
neben den üblichen Schemata einen Schwerpunkt<br />
auf den Bewegungsapparat legen. Es sollte<br />
versucht werden mit gezielten Fragen Kinder<br />
und Jugendliche herauszufinden, die ein besonders<br />
risikosuchendes Verhalten aufweisen. Ein<br />
EKG und eine Lungenfunktion sind selbstverständlich.<br />
Es gibt bereits einen Vorschlag für<br />
einen ausführlichen Untersuchungsbogen für<br />
Kinder-Jugendliche, der bisher aber von der<br />
GTÜM nicht akzeptiert wurde.<br />
Ich habe jetzt nur einige wenige Aspekte des<br />
Tauchens von Kindern und Jugendlichen aus<br />
tauchmedizinischer Sicht aufgegriffen, um zu<br />
verdeutlichen, dass der Tauchsport nur durch<br />
verantwortungsvolles Handeln von allen Beteiligten<br />
(Eltern, Tauchmedizinern, Ausbildern und<br />
Tauchpartnern) mit einem vertretbaren Risiko<br />
ausgeübt werden kann. cB<br />
Fotos: Bildcredit: Wolfgang Pölzer www.unterwasser-fotos.com
41<br />
Angefasst<br />
Tested by <strong>DiveInside</strong> • Tested by <strong>DiveInside</strong> •<br />
REDAKTIONS-<br />
CHECK<br />
Orange – mit dieser Farbe verbinden Deutsche<br />
in erster Linie die Mitglieder der Müllabfuhr oder<br />
das Team der holländischen Fußball-Nationalmannschaft.<br />
Doch was über Wasser optisch noch<br />
gewöhnungsbedürftig ist, hat bei dem anschließenden<br />
Tauchgang handfeste Vorteile. Ob Diveguide<br />
in tropischen Gewässern oder Buddy im<br />
heimischen, eher trüben See: Die Gefahr, mit<br />
dem TCB-<strong>25</strong> übersehen zu werden, ist verschwindend<br />
gering.<br />
Unzerstörbar wie eine Pet-Flasche.<br />
<strong>searcH</strong> <strong>tcB</strong>-<strong>25</strong> <strong>Von</strong> <strong>seareq</strong><br />
Unter dem fast unüberschaubaren angebot an Jackets sticht es<br />
nicht nur aufgrund seiner Farbgebung heraus: das <strong>tcB</strong>-<strong>25</strong> der Firma<br />
<strong>seareq</strong>, die vor allem durch das ortungssystem enos bekannt<br />
geworden ist. diveInside griff zu und schaute sich den außenseiter<br />
einmal genauer an.<br />
Überhaupt setzt die Firma Seareq getreu ihrer<br />
Firmenphilosophie bei dem klassischen ADV-<br />
Jacket in erster Linie auf Sicherheit: Bereits in<br />
Größe S wartet es mit 17 Liter Auftrieb auf, die<br />
sich bis zu Größe XL noch auf 28 Liter steigern.<br />
Der Körper ist aus 2600 DEN starkem Cordura<br />
gefertigt, was das Jacket zwar ein wenig steif<br />
wirken lässt, andererseits aber unzerstörbar wie<br />
ein Hanomag wirkt. Zwei SOLAS (Safety of Live<br />
at Sea)-Reflektoren auf den Schultern erhöhen<br />
nicht nur die Sichtbarkeit bei Nachttauchgängen,<br />
sondern auch im Falle eines Abtreibens des Tauchers<br />
an der Oberfläche. Entwickelt wurde das<br />
Ganze laut den Angaben des Herstellers unter<br />
Mitarbeit amerikanischer Rettungstaucher.<br />
Das auf den ersten Blick recht konservativ gestaltete<br />
TCB-<strong>25</strong> hat bei genauerer Betrachtung einige<br />
interessante Detaillösungen zu bieten. So sind<br />
beispielsweise der Befestigung von Oktopus<br />
und Lampen keine Grenzen gesetzt: Oberhalb<br />
der Taschen verlaufen Laschenstreifen mit insgesamt<br />
70 Schlaufen, in denen man Karabiner<br />
genau dort anbringen kann, wo man sie haben<br />
möchte. Der Faltenschlauch des Inflators ist in<br />
zwei Längen erhältlich, so dass große, schlanke<br />
Taucher auf den längeren Schlauch des nächst<br />
größeren Modells zurückgreifen können. Auch<br />
in anderen Bereichen setzt Seareq auf individuelle<br />
Konfigurationsmöglichkeiten: Man kann die<br />
Länge des Bauchgurtes, der im hinteren Bereich<br />
geteilt ist, mittels Klettbänder auf den Zentimeter<br />
passend einstellen.<br />
kriTikpUnkT blei<br />
Insgesamt verfügt das Jacket über vier ausgesprochen<br />
große Taschen, von denen die vorderen<br />
mit jeweils zwei D-Ringen ausgestattet sind<br />
und die hinteren der Bleiaufnahme dienen. Hier<br />
könnte nachgebessert werden: Die Befestigung<br />
mittels Klett erweist sich in der Praxis als ein<br />
wenig fummelig, ein Befüllen der Bleitaschen in<br />
angezogenem Zustand ist kaum möglich. Wenn<br />
das Blei allerdings einmal richtig angebracht ist,<br />
droht keine Gefahr mehr, dieses unter Wasser<br />
zu verlieren. Ebenfalls positiv ist der serienmäßig<br />
Befestigungsmöglichkeiten: die drei oberhalb der<br />
taschen angebrachten streifenlaschen.<br />
Steckbrief<br />
Hersteller: Seareq<br />
Modell: TCB-<strong>25</strong><br />
Bauart: ADV-Jacket<br />
Auftrieb: <strong>25</strong> Liter in Größe L<br />
Außenmaterial: 2600 Cordura<br />
Doppelpack-<br />
tauglich:<br />
Ja<br />
Verkaufspreis: EURO 560,-<br />
Datenbank: Taucher.Net<br />
Pro: Material, Verarbeitungsqualität, Auftrieb,<br />
Detaillösungen, Trimmlage unter Wasser,<br />
Sicherheitsausstattung<br />
Contra: Gewöhnungsbedürftige Optik, Bleibefestigung,<br />
hohes Gewicht<br />
mitgelieferte Schrittgurt, der das Jacket noch<br />
exakter am Körper positioniert. Auch die Flasche<br />
ist ausreichend verankert, zwei Flaschengurte<br />
sowie die einstellbare Fangschlaufe sorgen hier<br />
für Sicherheit.<br />
Unter Wasser zeigt sich das TCB-<strong>25</strong> als anspruchsloser<br />
und robuster Partner, der lange Freude<br />
verspricht. Dank der Positionierung des Bleis<br />
seitlich auf der Körperachse fällt es leicht, jede<br />
gewünschte Position zu halten – ideal auch für<br />
Fotografen. Das Blei sitzt bei Körperbewegungen<br />
sicher, wackelt nicht und unterstützt so den<br />
soliden Gesamteindruck. Auch ein Gefühl der<br />
Einengung entsteht nicht: Bei voll aufgeblasenem<br />
Jacket an der Oberfläche schiebt sich die Blase<br />
ein wenig von der Trage weg und verhindert so<br />
ein Beklemmungsgefühl.<br />
Unter dem Strich bleibt der Eindruck eines<br />
Jackets, dass gerade für Vieltaucher und Fotografen<br />
sowie für Menschen geeignet ist, die öfter<br />
Tauchgruppen führen beziehungsweise in der<br />
Ausbildung mitwirken. Oder eben für solche, die<br />
sicherstellen wollen, ein Jacket zu besitzen, welches<br />
sie als Individualisten auszeichnet: Und<br />
dafür muss man noch nicht einmal Holländer<br />
werden. lG<br />
Ein Bericht von Linus Geschke
42<br />
Augenblicke<br />
umWeltschutz? nein, danKe!<br />
Klimagipfel, artenschutz, Fischfang, regenwälder und vieles mehr: diveInside-redakteur<br />
linus Geschke mag nicht mehr und hat allmählich das Gefühl, im Informationsüberfluss<br />
langsam zu ertrinken.<br />
Hannes Jaenicke ist ein beliebter deutscher<br />
Schauspieler – sofern er überhaupt noch zum<br />
Schauspielern kommt. In letzter Zeit hat er Wichtigeres<br />
zu tun. Erst will er die Eisbären retten,<br />
dann die Orang-Utans, anschließend die Haie<br />
und am Ende wahrscheinlich die ganze Welt. Die<br />
Aufmerksamkeit der Zuschauer muss er sich<br />
dabei allerdings teilen mit „Bedrohten Paradiesen“,<br />
täglichen Vor-, Haupt- und Nachberichterstattungen<br />
zum Klimagipfel, Walschutzorganisationen,<br />
Waldschützern und<br />
AKW-Gegnern. In jeder zweiten<br />
Talkshow bekommt man<br />
von „Zeh-ooh-Zwei-Experten“<br />
vorgebetet, es sei mittlerweile<br />
„Fünf vor Zwölf“.<br />
Wenn ich mich richtig erinnere,<br />
scheint es schon seit zwanzig<br />
Jahren „Fünf vor Zwölf“ zu sein.<br />
Vielleicht ist die Uhr ja stehen<br />
geblieben? Damals fuhr man<br />
durch den „Sauren Regen“,<br />
natürlich mit Tempo 100, alles<br />
„dem Wald zuliebe“. AKW-<br />
Gegner gab es auch schon. Nur<br />
die Talkshows waren noch<br />
deutlich seltener. Mir geht es<br />
in Sachen Umweltschutz so<br />
langsam wie mit Terroranschlägen:<br />
Da weiß ich zwei<br />
Tage später auch nicht mehr,<br />
ob das Attentat nun in Kundus<br />
oder Bagdad war, in Afghanistan,<br />
dem Irak oder Pakistan.<br />
Auch die Opferzahlen verschwimmen<br />
miteinander,<br />
genauso wie die Tierarten, die<br />
akut als am stärksten bedroht<br />
gelten. Fachleute nennen dies<br />
einen „Informations-Overkill“,<br />
bei dem der Mensch irgendwann<br />
innerlich abschaltet.<br />
Ob sie nun Haie, Wale, Schildkröten oder sonst<br />
was schützen möchten: Ich habe höchsten Respekt<br />
vor Menschen, die sich – zum großen Teil<br />
ehrenamtlich – für eine Sache engagieren und<br />
dafür einen großen Teil ihrer Freizeit opfern.<br />
Wahrscheinlich ist ein Engagement für jemanden,<br />
der sich selbst nicht wehren kann, eine der edelsten<br />
Charaktereigenschaften, die den Menschen<br />
erst menschlich macht. Und für sich betrachtet<br />
ist auch fast jedes Projekt wichtig, die Zustände<br />
in vielen Bereichen dramatisch. Gäbe es solche<br />
Menschen nicht, würde unsere Welt wesentlich<br />
ärmer werden – und dies ganz unabhängig von<br />
irgendwelchen Finanzen.<br />
zUViel kaTasTrophe<br />
Doch so bewundernswert jede Initiative im Einzelnen<br />
auch ist, in ihrer Gesamtheit wird es oftmals<br />
penetrant. Im Ringen um Aufmerksamkeit überbieten<br />
sich die Organisationen darin, ein mediengerechtes<br />
Horrorszenario zu erschaffen. Beispiel<br />
Klima: Einig sind sich die Forscher lediglich, dass<br />
sich die Temperatur in den letzten hundert Jahren<br />
um durchschnittlich 0,56 – 0,92°C erhöht hat.<br />
Schon bei der Frage, inwieweit der Mensch dafür<br />
verantwortlich ist, gehen die Wissenschaftsmeinungen<br />
auseinander. Und da „Klimawandel“ nicht<br />
sonderlich eindrucksvoll klingt, muss das Ganze<br />
halt „Klimakatastrophe“ heißen.<br />
Oder bleiben wir näher beim Taucher und wenden<br />
uns den Haien zu. Fest steht, dass viele<br />
Bestände bedroht und einige Arten sogar in<br />
ihrer Existenz gefährdet sind. Fest steht auch,<br />
dass es Organisationen wie Sharkproject zu<br />
verdanken ist, die Problematik in die Öffentlichkeit<br />
geholt zu haben. Fest steht aber ebenso,<br />
dass aufgrund des medialen Erfolges plötzlich<br />
jeder Depp auf den „Haiexpress“ aufspringen<br />
will und versucht, eine fast identisch ausgerichtete<br />
Vereinigung ins Leben zu rufen. <strong>Von</strong><br />
den vielen Safarianbietern, die plötzlich „Haitouren<br />
unter Begleitung des Experten XYZ“<br />
anbieten, ganz zu schweigen – natürlich immer<br />
nur im Sinne des Tieres und nicht der Gewinnmaximierung.<br />
Sicherlich kann jetzt ein Klimaschützer<br />
voll dagegenhalten und ausrechnen,<br />
wie viel Tonnen CO2 alleine dadurch verursacht<br />
werden: <strong>Von</strong> den Flugreisen bis zum Schadstoffausstoß<br />
eines mittelprächtigen ägyptischen<br />
Safaribootes.<br />
Es ist zuviel. Zuviel Panik, zuviel Planloses, zu<br />
viele Experten. Selbst eine Veronika Ferres, dessen<br />
höchster Lebenszweck bislang darin bestand,<br />
die für irgend etwas kämpfende Mutter oder<br />
den ständig anwesenden Dauergast auf sämtlichen<br />
Galas zu spielen, wird nach der Rolle im<br />
Bericht von Linus Geschke
43<br />
Augenblicke<br />
ZDF-Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ zur<br />
Talkshowexpertin für Airguns und Sonargeräte.<br />
Betroffene Miene inklusive.<br />
der neUe mensch<br />
Wenn wir uns jedes Umweltproblem zu Eigen<br />
machen, sieht der perfekte Mensch bald so aus:<br />
Er ernährt sich veganisch, lebt in einer ungeheizten<br />
Hütte aus schnell nachwachsendem<br />
Bambus, fährt um Gottes Willen nie Auto oder<br />
steigt gar in ein Flugzeug und bezieht seinen<br />
Strom aus der auf dem Dach montierten Solaranlage.<br />
Mit dem letzten Punkt könnte ich leben,<br />
aber alles andere?<br />
Tauchen stellen wir am besten sofort ein: Equipmenthersteller<br />
sind böse und lassen oftmals in<br />
Billiglohnländern produzieren (wo ist übrigens<br />
der klimaneutrale Neoprenanzug?), von verchromten<br />
ersten Stufen an Atemreglern ganz<br />
zu schweigen. Noch böser sind Tauchreiseveranstalter,<br />
die mit ihren Flugreisen die Umwelt<br />
verpesten und schuld daran sind, dass in manchen<br />
abgelegenen Gegenden Hotels entstehen,<br />
wo vormals nur Natur war. Am allerbösesten<br />
sind aber die Taucher selbst, die wahlweise ja<br />
eh nur die Riffe zerstören oder das biologische<br />
Gleichgewicht vieler Seen durcheinander bringen,<br />
ohne dabei etwas konstruktives zur Rettung<br />
der Welt zu leisten.<br />
Sicher, man kann jetzt auch „klimaneutral“ fliegen:<br />
Dazu bezahlt man je nach Strecke eine gewisse<br />
Summe, anteilig nach der damit verbundenen<br />
Umweltbelastung, die dann in Klima erhaltende<br />
Projekte investiert wird. Ob das funktioniert?<br />
Ich weiß es nicht. Zumindest erinnert es mich<br />
ein wenig an den mittelalterlichen Ablasshandel<br />
der katholischen Kirche: „Du hast zwar jetzt mit<br />
der Magd im Heu gesündigt, aber für die Zahlung<br />
einer gewissen Summe wird dir die Schuld daran<br />
vergeben.“<br />
nichT sexy genUg<br />
Aber was kann man dagegen tun, wie kann<br />
Umweltschutz auf breiter Basis funktionieren,<br />
wie das Denken verändern? Auch das weiß ich<br />
nicht. Eigentlich auch eine dumme Frage: Wüsste<br />
ich es, würde ich mir jetzt einen Nobelpreis<br />
abholen und keine planlosen Kommentare<br />
schreiben. Große Verwirrung.<br />
Ich weiß nur eines: Wenn man jemanden erzählt,<br />
dass er bei einer Reise auf die Balearen 1200<br />
Kilogramm CO2 erzeugt anstelle von 58 Kilogramm,<br />
wenn er zu Hause auf dem Balkon bleibt,<br />
wird ihn das kaum vom Reisen abhalten. Das ist<br />
nicht greifbar für den Einzelnen – greifbar sind<br />
für die Mehrzahl der Bevölkerung lediglich Handlungen,<br />
deren Ergebnis man unmittelbar sieht.<br />
Außerdem ist es nicht sexy, wenn man ständig<br />
belehrt wird, was für ein schlechtes Gewissen<br />
man eigentlich haben müsste. Kein Wunder, dass<br />
immer mehr Menschen auf „Durchzug“ schalten,<br />
wenn mal wieder der erhobene Zeigefinger<br />
kommt. Mir geht’s genauso.<br />
Ich kann sie nicht mehr lesen, diese „Betroffenheitskommentare“<br />
in den Medien. Die einen sind<br />
betroffen, weil die Malediven im Meer versinken<br />
sollen, die anderen, weil die Eisbären bedroht<br />
sind. Und selbst, wenn es so kommen sollte:<br />
Vielleicht müssen wir einfach hinnehmen, dass<br />
manche Inseln versinken, genauso, wie andernorts<br />
neue entstehen. Oder das Arten auch mal<br />
aussterben. Vielleicht brauchen wir in Sachen<br />
Umwelt- und Artenschutz eine neue Gelassenheit,<br />
so nach dem Motto: „Was dich ärgert und<br />
was du ändern kannst, das ändere. Aber es lohnt<br />
sich nicht, sich über Sachen zu ärgern, die du<br />
nicht ändern kann.“<br />
Gerade in Sachen Klima und insbesondere in<br />
den Kommentaren der Tauchmedien ist alles<br />
andere – mit Verlaub – doch nur Augenwischerei.<br />
Wenn ein Redakteur das Steigen des Meeresspiegels<br />
mit „…wir müssen dringend etwas<br />
tun“ beklagt und dann zwei Tage später in den<br />
Jet Richtung Asien steigt, wenn ein anderer die<br />
leeren Weltmeere betrauert und sich abends<br />
einen Schwertfisch oder eine Thunfischpizza<br />
gönnt, dann predigt er Wasser und schlürft den<br />
Wein. Manche würden dies auch Heuchelei<br />
nennen. lG
44<br />
Vorschau die nächste diveinside erscheint am 8.3.2010<br />
IN DER NÄCHSTEN AUSGABE Die wichtigsten Trends der<br />
sizilien<br />
boot 2010<br />
Hausbesuch:<br />
Malta<br />
Top Dive Gawana Novus<br />
Biologie:<br />
Seesterne<br />
dubrovnik<br />
MIttelMeer<br />
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